
Giuseppe Sinopoli (1946-2001)
Giuseppe Sinopoli war nicht nur eine der profiliertesten Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein universaler Geist von existentieller Tiefe und seltener Umtriebigkeit auf verschiedensten Gebieten: Der promovierte Mediziner setzte in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts als Exponent der musikalischen Avantgarde Italiens mit seinen Kompositionen bedeutende Akzente. In den 80er Jahren avancierte er zu einem weltweit geschätzten Dirigenten, der das symphonische und musikdramatische Repertoire durch die Perspektive der Neuen Musik ganz neu zu beleuchten verstand. Aus seinem Studium der Archäologie und der alten Kulturen bezog Sinopoli Inspirationen für die kritische Reflexion der Gegenwart, die er in seinem literarischen Hauptwerk Parsifal in Venedig niedergelegt hat. In seinen zahlreichen Essays verbindet Sinopoli gedankliche Präzision mit einer Radikalität des Deutens und Erlebens von Musik zu einer einzigartigen Synthese.
Wenige Jahre nach Sinopolis frühem Tod am 20. April 2001 ist es an der Zeit, sein Lebenswerk erstmals wissenschaftlich zu erschließen und systematisch darzustellen. Dazu gibt es keinerlei Vorarbeiten, wohl aber reiches biographisches und dokumentarisches Material.
Interdisziplinäre Untersuchungsmethoden
Um der Komplexität von Sinopolis Wirken gerecht zu werden, sind enge Fachgrenzen zu überwinden. Interdisziplinäre Untersuchungsmethoden der musikalischen, literarischen und philosophischen Analyse sowie innovative Methoden der Interpretationsforschung verbinden sich in produktiver Wechselwirkung.
Das von der DFG geförderte Forschungsprojekt Giuseppe Sinopoli (1946-2001): Komponist – Dirigent – Archäologe betritt demnach in jeder Beziehung Neuland und verfolgt mehrere Ziele:
1. Aufgrund analytischer Studien soll der wichtige Beitrag Giuseppe Sinopolis zur Kompositionsgeschichte der 70er und 80er Jahre erstmals gewürdigt werden. Daraus ergibt sich – zumindest partiell – eine neue Sicht auf die Situation der Neuen Musik nach dem zweiten Weltkrieg, deren Erforschung noch einige empfindliche Lücken aufweist.
2. Durch die Analyse von Sinopolis Einspielungen vor dem Hintergrund seiner Essays und sonstigen Dokumente sind Anregungen für eine Weiterentwicklung der musikalischen Interpretationsforschung zu erwarten.
3. Sinopolis Gedanken zur Musik, zur Kulturkritik der Gegenwart sowie sein Buch Parsifal in Venedig sollen wissenschaftlich erschlossen und kommentiert werden, damit sie in der Öffentlichkeit weiterwirken können.
Das Projekt wird bis zum 31. März 2010 von der DFG gefördert. Die Ergebnisse (Werkverzeichnis, Diskographie, Analysen der Kompositionen, Interpretationen der Einspielungen, Kommentare zu den Essays u.a.) werden in einer Monographie vorgelegt.
Da Giuseppe Sinopoli mit vielen Menschen in Kontakt stand, die wir vielleicht (noch) nicht kennen und die uns mit ihren Erinnerungen und Dokumenten helfen können, ist uns jeder Hinweis wichtig. Bitte nehmen Sie Verbindung mit Frau Dr. Kienzle auf.
Zurück zu Musikwissenschaft


