
Eugène Delacroix - La liberté guidant le peuple, 1830 (Ausschnitt), bpk-images.de
Die Publikation zur Ringvorlesung "Musik - Macht - Staat. Kulturelle, soziale und politische Wandlungsprozesse in der Moderne", hg. von Sabine Mecking und Yvonne Wasserloos erscheint im Juni 2012 im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht V&R unipress (ca. 390 Seiten mit 26 Abbildungen gebunden; ISBN 978-3-89971-872-0).
Mehr dazu und Bestellmöglichkeiten.
Einzelne Vorlesungen sind auch als Audio- oder Videostream abrufbar:
Prof. Dr. Christoph Nonn - Der Schlager und die westdeutsche Gesellschaft (25.6.2010)
Prof. Dr. Detlef Siegfried - Sound der Revolte (2.7.2010)
Prof. Dr. Carsten Dams - Polizei, Protest und Pop (9.7.2010)
Dr. Andreas Kühn - Impliziter Protest und lauter Ambivalenzen (16.7.2010)
Dr. Yvonne Wasserloos - Pop im Nordirland-Konflikt in den 1980er Jahren (23.7.2010)
Musik gilt als Ausdruck des individuell Emotionalen. Sie kann aber genauso öffentlich zu repräsentativen Zwecken verwendet werden. Die Wirkungsmacht von Musik bezieht sich damit nicht allein auf emotionale und emphatische Momente, sondern auch bzw. darüber auf den öffentlichen und repräsentativen Raum. In dieser Funktion kann sie gleichermaßen kulturelle Identität(en) stiften, Macht- und Staatssystem unterstützen oder untergraben sowie der politischen Positionierung und Artikulierung dienen.
Im Fokus der Vorlesung stehen gesellschaftliche, staatliche und musikalische Entwicklungen in Europa von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Mit Monarchien und Republiken, Diktaturen und Demokratien finden unterschiedliche Staats- und Regierungsformen Berücksichtigung. Neben Adelshöfen, Militär oder politischen Amts- und Machtinhabern werden auch gesellschaftliche Strömungen und Gruppen wie z.B. Bürger(tums)bewegungen und musikalische Jugend- und Subkulturen betrachtet. Der Spannungsbogen reicht von Staatsmotetten, Schlachtenmusiken, Märschen, Hymnen, (Volks-)Liedern bis hin zu Rock- und Popsongs. Es stellt sich die Frage, wie die einzelnen Akteure sich der Musik bemächtigen oder etwa mit ihr konfrontiert wurden. Wie wurden politische und gesellschaftliche Zielvorstellungen, Ereignisse und Umbrüche musikalisch eingeleitet, verbreitet und verarbeitet?
Kommunizieren, Provozieren und Kritisieren durch Kunstmusik, Gebrauchsmusik und Populäre Musik dient der politischen und gesellschaftlichen Inklusion oder Exklusion. Im Verhältnis von Musik, Macht und Staat wird letzterer nun nicht nur als transzendente Wirklichkeit, sondern im Sinne Foucaults auch als Denk- und Handlungsweise von Menschen begriffen. Musik stellt sich zum einen als Produkt und Spiegel staatlich-ideologischer Maßgaben und gesellschaftlicher Prozesse und zum anderen als gesellschaftlich Einfluss nehmende Impulskraft dar. Dabei finden sowohl differierende Zuschreibungen und Bedeutungen von Staat und Macht zu verschiedenen Zeiten als auch gesellschaftlicher, politischer und kultureller Wandel in der Geschichte ihren Nachhall in der Musik. Ihre Analyse verspricht damit Einblicke in die Repräsentation und Rationalisierung von Macht bzw. Machtbeziehungen sowie in das Selbstverständnis von Gruppen und Individuen. Inwieweit avanciert nun Musik zum Kronzeugen oder gar zum Katalysator dynamischer Prozesse?
Studium Universale 2010
Konzeption und Organisation: PD Dr. Sabine Mecking / Dr. Yvonne Wasserloos
Wann: Sommersemester 2010, Freitags 11:15-12:45 Uhr
Wo: Heinrich-Heine-Universität, Lisa-Maskell-Hörsaal (3F), Gebäude 23.21
Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf
Eine Kooperation der Robert-Schumann-Hochschule mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
PROGRAMM
16.4.2010 Musik. Macht. Staat. Dreiklang und Dissonanz
PD Dr. Sabine Mecking / Dr. Yvonne Wasserloos (Düsseldorf/Münster)
s. Einleitungstext

23.4.2010 Herrschaftssymbol und Propaganda: Höfische Musik in der frühen Neuzeit
Prof. Dr. Klaus Pietschmann (Mainz)
Der politische Charakter von musikalischer Praxis im höfischen Bereich der frühen Neuzeit erscheint immer da evident, wo Texte das Anliegen explizit machen. In Staatsmotetten und Festopern hat die Musik zweifellos die zentrale Funktion, diese Botschaften zu transportieren und zu überhöhen. Neben Beispielen für dieses plakative Verhältnis von Musik, Macht und Staat werden jedoch zugleich subtilere Formen musikalischer Herrschaftssymbolik zu thematisieren sein, die sich etwa der transzendenten Konnotation von Vokalpolyphonie im spätmittelalterlichen Gottesdienst bedienen und diese zur Sakralisierung weltlicher Herrschaft einsetzen. Von diesen Ausflüssen spätmittelalterlicher Frömmigkeit soll der Bogen bis hin zu den Formen musikalischer Identitätsstiftung gespannt werden, mit denen das österreichische Kaisertum unter dem Eindruck der Französischen Revolution den gewandelten gesellschaftlichen Verhältnissen Rechnung trug.
Klaus Pietschmann, Prof., Dr., Jg. 1972, ist seit 2009 Professor für Musikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er studierte in Köln, Florenz und Münster, wo er nach dem Magisterabschluss in mittelalterlicher Geschichte im Jahr 2000 in Musikwissenschaft promoviert wurde (Kirchenmusik zwischen Tradition und Reform. Die päpstliche Kapelle und ihr Repertoire im Pontifikat Pauls III. (1534-1549), Vatikanstadt 2007). Nachfolgend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Köln und Bonn sowie wissenschaftlicher Assistent am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich. Dort habilitierte er sich im Jahr 2006 (Laboratorium des Wandels: Wien und die Diversifizierung der Oper um 1800, Druck in Vorbereitung). Von 2006 bis 2009 war er Assistenzprofessor für Musikwissenschaft am Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern und 2008/09 Deborah Loeb Brice Fellow am Harvard University Center for Italian Renaissance Studies Villa I Tatti Florenz. Seine Forschungsschwerpunkte betreffen u.a. die Musikgeschichte Italiens des 15. bis 17. Jahrhunderts, Musik, Liturgie und Kirche im 15. und 16. Jahrhundert, Operngeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts sowie regionale Musikkulturen (Rheinland, Schweiz, Mexiko).

30.4.2010 Vom Charivari über den Tanz zum Marsch: Musik (in) der Französischen Revolution
PD Dr. Michael Esch (Düsseldorf)
Über das gesamte 19. Jahrhundert hinweg und weiter, mindestens bis zum 1942 gedrehten Film „Casablanca“ mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann, gilt die „Marseillaise“, 1795 bis 1804 und ab 1871 Nationalhymne der Französischen Republik, als Kampflied für Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie. Angesichts des Textes („...und möge ein unreines Blut unsere Ackerfurchen tränken“) und der musikalischen Form des Militärmarsches mag dies ein wenig merkwürdig erscheinen, und tatsächlich war die Entwicklung hin zu dieser Nationalhymne alles andere als einfach: Das Lied hatte sich gegen einige Konkurrenz durchzusetzen. In welchem Verhältnis aber stand die „Marseillaise“ zu der staatlich organisierten Gesellschaft, deren klangliches Symbol sie ein sollte? Und wie verhielt sich die musikalische Praxis der Nationsgründer zu der der verschiedenen gesellschaftlichen Klassen, die die Revolution von 1789 „gemacht“ hatten?
Michael Esch, PD Dr., Jg. 1959, ist Privatdozent am Institut für Geschichtswissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Projektmitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum. Er hat Geschichte und Germanistik in Düsseldorf studiert und das Studium 1990 mit dem Magisterexamen abgeschlossen. Mit seiner Studie „‘Gesunde Verhältnisse‘. Deutsche und polnische Bevölkerungspolitik 1939-1950 folgte 1996 die Promotion und mit seiner Untersuchung „Sozial- und Kulturgeschichte der osteuropäischen Einwanderung in Paris, 1880-1940“ 2007 die Habilitation. Esch war u.a. Gastdozent an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris und Wissenschaftler am Centre Marc Bloch in Berlin und ist als Übersetzer tätig. Neben seiner historiographischen Arbeit setzt er sich als Saxophonist in verschiedenen Jazz-Formationen auch praktisch mit Musik auseinander.

7.5.2010 Töne der Schlacht. Napoleon, seine Kriege und die Musik
Sebastian Hansen M.A. (Düsseldorf)
Die musikalische Darstellung von kriegerischen Auseinandersetzungen ist ein besonderes Phänomen der Frühen Neuzeit. Mit Clément Janequins Vertonung „La Guerre“ von 1528 nimmt die Gattung der Battaglia ihren konkreten Anfang. Ihr Ende fällt mit dem der napoleonischen Zeit zusammen. Die Kriege Napoleons haben viele Komponisten noch einmal besonders zu entsprechenden Vertonungen angeregt. Bereits um 1800 werden die Seeschlachten von Franzosen und Briten unter Lord Nelson dargestellt. Weitere Stücke entstehen infolge der großen kriegerischen Auseinandersetzungen etwa bei Austerlitz 1805, Leipzig 1813 und Waterloo 1815. Die gebotenen Schlachtenstücke waren populär. Nicht zuletzt Beethoven hatte mit seinem Orchesterwerk „Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria“ (op. 91) einen großen Erfolg. Und doch: Gemeinsam mit Napoleon tritt auch die Schlachtenmusik in den Hintergrund. Die Vorlesung wird auf diese musikalischen Verarbeitungen der politischen Ereignisse und Umbrüche eingehen und sie im gesellschaftlichen Kontext verorten. Dabei werden auch der Wandel der Ausdrucksmittel und die Entfaltung neuer musikalischer Ideale mitbetrachtet. Denn einerseits steht die populäre Schlachtenmusik im Kontrast etwa zur entstehenden Kunstfrömmigkeit der Romantiker, andererseits aber ist sie im Zusammenhang mit den zeitgenössischen heroischen Themen und Verarbeitungen in der Musik überhaupt zu sehen. Das Wirken Beethovens und Napoleons spielt hierbei eine nicht zu vernachlässigende Rolle.
Sebastian Hansen, M.A., Jg. 1981, hat Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und an der Université de Nantes in Frankreich studiert. Seit dem Wintersemester 2007 ist er am Institut für Geschichtswissenschaften (Geschichte der Frühen Neuzeit) in Düsseldorf tätig. Er arbeitet an einer Dissertation zum Thema „Thomas Mann als Objekt der politischen Auseinandersetzung in der Weimarer Republik“ und wird dabei von der Graduiertenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. unterstützt. Seine Forschungsinteressen gelten des Weiteren der Kirchengeschichte und dem (politischen) Katholizismus, dem Josephinismus, der Kulturgeschichte sowie der Musikkultur des 17. bis 20. Jahrhunderts.

14.5.2010 „Des deutschen Liedes Klang hat die Herzen gewonnen“. Gesang und Nationsbildung im 19. Jahrhundert
PD Dr. Sabine Mecking (Düsseldorf/Münster)
Öffentliches Singen kann informieren, Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen üben, politisch beeinflussen oder gar zu aktivem Protest aufrufen sowie zu Identifikation oder Solidarität beitragen. In der deutschen Geschichte gibt es kaum eine Phase, in der so viele politische Lieder entstanden und gesungen wurden, als vor, während und auch nach der Revolution von 1848/49. Dabei ist insbesondere der für die Revolutionszeit besonders charakteristische Typus des politischen Protestliedes intensiv untersucht worden. Die Zeit des „Nachmärzes“ hat diesbezüglich allerdings weit weniger Aufmerksamkeit erfahren. Wie sehr öffentliches Singen im 19. Jahrhunderts zum „politischen Ereignis“ wurde, soll am Beispiel des politischen Gesanges und der Sängerbewegung dargestellt werden. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Sängerbewegung rücken exemplarisch einzelne Lieder in den Mittelpunkt der Betrachtung, die schon bei ihrer Entstehung politisch gedacht und verstanden wurden und in diesem Sinne wirkten, obwohl es sich um vermeintlich unpolitische Texte handelte.
Sabine Mecking, PD Dr., Jg. 1967, ist Privatdozentin am Institut für Geschichtswissenschaften (Neueste Geschichte und Landesgeschichte) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Im Sommersemester 2010 vertritt sie die Professur für Neuere und Neueste Geschichte II an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie hat an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (Verwaltungswirtschaft) und an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Geschichte, Mathematik, Sport, Erziehungswissenschaften) studiert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Regional- und Verwaltungsgeschichte sowie Gesellschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Daneben interessiert sie sich in Forschung und Lehre für das Verhältnis von Musik, Macht und Staat.

21.5.2010 „Mit Preußens Gloria und Hurra in die Katastrophe“. Anmerkungen zur (Militär-) Musik zwischen Reichsgründung und Weimarer Republik
Dr. Manfred Heidler (Bonn)
Die Bedeutung der preußisch-deutschen Militärmusik als klingendes Abbild einer ganzen Epoche steht im Mittelpunkt des Beitrags. Denn Preußens Gloria heißt nicht nur einer der bekanntesten preußischen Märsche, sondern unter seinen Klängen marschierte zum einen die Alte Armee in die Katastrophe des Ersten Weltkrieges und zum andern formierte die Reichswehr der »unerprobten und ungeliebten Republik von Weimar« wiederum ihre Truppen. Militärmusik war immer präsent: Vom Spiegelsaal in Versailles 1871, in den deutschen Schutz- und Kolonialgebieten, bei Mobilmachung und Demobilisierung zwischen 1914 bis 1918 – und auch nachfolgend zwischen Freikorps und Donaueschinger Kammermusik-Aufführung 1926.
Manfred Heidler, Dr., Jg. 1960, ist Lehrbeauftragter am Musikwissenschaftlichen Institut der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. und im Dezernat Militärmusik/Zentrum Militärmusik in Bonn tätig. Er trat 1979 nach einer Berufsausbildung zum Drucker in den Militär-musikdienst der Bundeswehr ein. Er studierte an den Musikhochschulen Düsseldorf, Detmold und Trossingen (Tenorhorn/Posaune, Instrumentalpädagogik und Dirigieren). Dem Dienst als Musikfeldwebel beim Heeresmusikkorps 2 der Bundeswehr folgte die Ausbildung zum Musikdienstoffizier. Ab 1994 studierte er Musikwissenschaft, Psychologie und Erziehungswissenschaft an den Universitäten Heidelberg und Düsseldorf und promovierte 2004 mit seiner Arbeit Musik in der Bundeswehr – Musikalische Bewährung zwischen Aufgabe und künstlerischem Anspruch an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Von Dezember 2005 bis März 2007 war Major Dr. phil. Manfred Heidler Chef des Luftwaffenmusikkorps 2 in Karlsruhe.

28.5.2010 Weimar und die Pluralisierung der Musik- und Lebensstile
Prof. Dr. Andreas Jacob (Essen)
Die Weimarer Republik kann in vielerlei Hinsicht als Periode des Übergangs und Umbruchs gesehen werden: Der Versuch einer politischen Neuorientierung ging einher mit einer Reihe von kulturellen Neuansätzen und Wandlungsprozessen, die in einem zeitlichen Miteinander von weit auseinanderstrebenden gesellschaftlichen Haltungen wie ästhetischen Vorstellungen mündeten. Diese festzustellende Pluralisierung in verschiedenen kulturellen Handlungsbereichen lässt sich auf dem Gebiet der Musik besonders eindrücklich nachvollziehen. Beispiele für diese Tendenzen sind etwa: die Auflösung von normativen Vorgaben wie der Verbindlichkeit des Gattungsbegriffs, die radikale Infragestellung einer strukturgebenden Tonalität, aber auch die stark zunehmende Einbeziehung nicht-europäischer Musikformen. Allein schon die Anzahl der anzutreffenden Benennungen für musikalische Stile (wie etwa Neue Sachlichkeit, Neoklassizismus, Dodekaphonie, Jugendmusik etc.) spricht von der Uneinheitlichkeit des Musiklebens in Komposition wie Darbietung. Nicht alle dieser Stile wurden unbedingt in der Weimarer Republik (als zeitliche wie örtliche Bestimmung verstanden) geprägt, doch wurden sie auf jeweils eigene Weise rezipiert – wobei ganz unterschiedliche soziale wie ästhetische Zusammenhänge eine Rolle spielen können. Die Vorlesung stellt einige dieser musikstilistischen Entwicklungen vor und versucht diese auch im Kontext sich wandelnder Lebensstile zu interpretieren.
Andreas Jacob, Prof. Dr., Jg. 1967, ist Professor für Musikwissenschaft an der Folkwang Universität in Essen. Er studierte Evangelische Kirchenmusik und Orgel (Konzertfach) in Essen und Stuttgart sowie Musikwissenschaft, Philosophie und Psychologie in Essen, Bochum und Bonn. 1996 wurde er mit einer Arbeit über J.S. Bachs Klavierübungen promoviert, 2002 folgte die Habilitation mit einer Schrift über A. Schönbergs Musiktheorie. Weitere Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der Musikästhetik und Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Bevor er 2009 nach Essen wechselte, lehrte er als Professor an den Universitäten in Potsdam und Münster. Zu seinem weiteren Arbeitsfeld gehören die internationale Tätigkeit als Konzertorganist, Einspielungen für Rundfunk und CDs und die intensive Pflege zeitgenössischen Repertoires mit zahlreichen Uraufführungen. Für seine künstlerischen und wissenschaftlichen Aktivitäten erhielt er zahlreiche Preise (u.a. Hermann Abert Preis der Gesellschaft für Musikforschung, Stipendium an der Cité des arts Paris, Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft).

4.6.2010 Perversion und Würgegriff. Musik im Nationalsozialismus
Prof. Dr. Dr. Volker Kalisch (Düsseldorf)
Der Vortrag wird sich der Frage nach der Bedeutung der Musik für und im Nationalsozialismus zuwenden und diese dabei so zu thematisieren suchen, dass gleichsam gegenläufig dabei auch Rolle und Bedeutung des Nationalsozialismus für die Musik zur Sprache kommen werden. Es wird dies nicht im unbestimmt-abstrakten Raum versucht, sondern es wird hierfür dem Plan Düsseldorf als zukünftiger “Hauptstadt deutscher Musik” besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Dabei sollen Perversionsstrategien aufgedeckt und benannt werden, die erahnen lassen, dass bereits die Deklaration des Unpolitischen in der Musik einem politischen Statement nahe kommt und nur von ihrer verhängnisvollen Verflechtung in das Unrechtssystem des Nationalsozialismus ablenken soll. Absicht des Vortrags wird sich dabei weniger in der namentlichen Aufzählung verirrter Zeitgenossen erübrigen, sondern wird hauptsächlich dem wechselseitigen Angewiesensein von Machtdemonstrationen durch und in Musik gelten bzw. wird der Offenheit von Musik für ihre ideologische Benutzbarkeit nachspüren.
Volker Kalisch, Prof. Dr. Dr., Jg. 1957, ist Professor für Musikwissenschaft an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Soziologie an den Universitäten Tübingen, Zürich und Freiburg i.Br., das er 1986 mit der Promotion in Musikwissenschaft (Uni Freiburg i. Br.) und 1990 in Soziologie (Uni Tübingen) abschloss. Lehrte Musikwissenschaft an den Universitäten Tübingen, Mainz, Frankfurt a.M., Humboldt-Universität zu Berlin sowie an den Universitäten Adelaide (Süd-Australien) und Bern. Seit 1994 ist er Professor für Musikwissenschaft an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, war 1995 bis 1998 auch der Geschäftsführende Direktor des dortigen Musikwissenschaftlichen Instituts. 1996 Wahl zum Senat, 1998 Ernennung zum Prorektor für Studium, Lehre und Forschung; Amtsbestätigung und Wiederwahl 2002. Bedingt durch die Erkrankung des Rektors im Jahr 2004 amtierender Rektor der Robert Schumann Hochschule, danach Bolgna-Beauftragter, 2005–2008 erneut Geschäftsführender Direktor des Musikwissenschaftlichen Instituts der Robert Schumann Hochschule. Seit April 2009 wieder Prorektor für Studium, Lehre und Forschung. Veröffentlichungen zu musikhistorischen Einzelfragen, zur Musiksoziologie, Musikästhetik sowie zu Methodenfragen und zur Fachgeschichte; gibt u.a. die Schriftenreihe MUSIK-KULTUR heraus.

11.6.2010 Musik als „Waffe des sozialistischen Aufbaus“? Zum Musikleben in der Sowjetunion zwischen Parteidoktrin und Avantgarde
Dr. Kerstin Armborst-Weihs (Mainz)
Das Sowjetregime forderte bereits seit den Revolutionstagen die Parteilichkeit jeder Kunst. Zunächst konnte sich das kulturelle Leben in der Sowjetunion allerdings noch in sehr heterogene Richtungen entfalten. Ende der 1920er Jahre jedoch vollzog sich parallel zur Durchsetzung sozio-ökonomischer und politisch-sozialer Lenkungs- und Zwangsmaßnahmen auch auf kulturellem Gebiet ein deutlicher Umbruch. Auf der von der obersten Kunstbehörde einberufenen „Ersten Allrussischen Musikkonferenz“ im Juni 1929 in Leningrad erklärte der Leiter der Konferenz, Platon Keržencev, die Musik zum Instrument des Klassenkampfes und forderte, sie „als Waffe des sozialistischen Aufbaus“ einzusetzen. Damit wurde die institutionelle Durchsetzung der proletarischen Hegemonie und der obrigkeitlich vorgegebenen ästhetischen Normen in allen Bereichen der Musikpraxis eingeläutet. Die als Überblick konzipierte Vorlesung beschäftigt sich mit den Maßnahmen und Vorgaben, mittels derer die Musik für den sowjetischen Staatsaufbau funktionalisiert werden sollte, und untersucht die Auswirkungen dieser ideologischen Vereinnahmung auf das Musikleben in der Sowjetunion.
Kerstin Armborst-Weihs, Dr., Jg. 1970, ist seit 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäische Geschichte in Mainz. Sie hat Geschichte, Slavistik und Musikwissenschaft in Münster und St. Petersburg studiert (1995 M.A., 2000 Promotion). Frühere berufliche Stationen waren: 2000–2001 Volontariat am Munzinger-Archiv in Ravensburg, dann Tätigkeit als Redakteurin; 2002–2005 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Institut der Universität Potsdam, Lehrstuhl für Neuere Geschichte II (Schwerpunkt deutsch-jüdische Geschichte). Ihre Forschungsschwerpunkte sind: osteuropäisch-jüdische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Historiographiegeschichte, Kulturgeschichte des Russländischen Reichs/der Sowjetunion und Migrationsgeschichte.

18.6.2010 Die Militärmusik der DDR
Dr. Manfred Heidler (Bonn)
Unter dem Titel „Staat und Musik – Militärmusik der DDR“ wird die Bedeutung und Funktionalität von Musik als „klingender Ausdruck“ des »sozialistischen Realismus« für Staat, Militär, Gesellschaft und Kultur exemplarisch dargestellt, wobei die Militärmusik der Nationalen Volksarmee bzw. die Musik der bewaffneten Organe der DDR in verschiedenen Facetten im Fokus dieser Betrachtung steht. Hierzu wird der Referent auf die Bedeutung der Polit- und Kulturorgane als weisungsgebende Institution zwischen SED-Einheitspartei und den Musikeinheiten der bewaffneten Organe eingehen und deren Vorgaben bei der musikpraktischen Umsetzung für die Nationale Volksarmee uäm. thematisieren.

25.6.2010 Der Schlager und die westdeutsche Gesellschaft seit 1945
Mitschnitt der Vorlesung am 25.6. als
Audiostream.
Prof. Dr. Christoph Nonn (Düsseldorf)
Die Geschichte des deutschen Schlagers nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Geschichte eines Niedergangs. Nach einer außerordentlichen Blüte in den 1950er und frühen 1960er Jahren, in denen Dalida, Caterina Valente, Nana Mouskouri, Rex Gildo und vor allem Freddy Quinn die Herrscher über Schallplattenmarkt und Hitparaden der frühen Bundesrepublik waren, verlor der Schlager immer mehr an Popularität. Mitte der 1960er Jahre stieg die Zahl englischsprachiger Nummer-Eins-Hits in Westdeutschland schlagartig an. Bis Anfang der Achtziger dominierten diese den Musikmarkt hierzulande fast völlig. Die Renaissance deutschsprachiger populärer Musik seitdem war keine Renaissance des Schlagers mehr: Er wurde zu einem Randphänomen, das in Verbindung mit Volksmusik und Ballermann oder in ironischer Brechung durch Guildo Horn, Dieter Thomas Kuhn und andere allenfalls nur noch subkulturelle Bedeutung behielt. Ausgehend von diesem Befund geht der Vortrag möglichen Verbindungen zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen und den Veränderungen auf dem westdeutschen Musikmarkt nach. War der Niedergang des deutschen Schlagers und der Aufstieg des englischsprachigen Pop ein Ausdruck des „langen Wegs nach Westen“, den die Bundesrepublik seit 1949 zurücklegte? Spiegelte sich darin das Ende eines durch Nationalismus und romantischen Eskapismus geprägten deutschen Sonderwegs? Und was bedeutet in diesem Zusammenhang die Renaissance deutschsprachiger Titel auf dem Musikmarkt?
Christoph Nonn, Prof. Dr., Jg. 1964, ist Professor für Neueste Geschichte und Landesgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er studierte von 1984 bis 1989 Geschichte, Anglistik und Politikwissenschaft an den Universitäten Trier und Warwick/England. Nach dem Ersten Staatsexamen 1990 promovierte er 1993. Von 1994 bis 2000 war er als Hochschulassistent an der Universität Köln tätig, wo er sich 1999/2000 in Neuerer und Neuester Geschichte habilitierte (Die Ruhrbergbaukrise. Entindustrialisierung und Politik 1958–1969). Anschließend beteiligte er sich als Projektleiter des Zwangsarbeiterfonds der Jewish Claims Conference an der Organisation und Koordination der Auswertung von Wiedergutmachungsakten. Nonn ist Vorsitzender des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte, geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift „Geschichte im Westen“, Mitherausgeber der Düsseldorfer Schriften zur Landesgeschichte und der Kabinettsprotokolle der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen.

2.7.2010 Sound der Revolte. Rock und Blues in den langen 60er Jahren
Mitschnitt der Vorlesung am 2.7. als
Videostream.
Prof. Dr. Detlef Siegfried (Kopenhagen)
In den frühen 60er Jahren wurde der Beatmusik von Kulturkritikern unterschiedlicher politischer Provenienz ein subversives Potential zugeschrieben, das sich aber mit seiner kulturindustriellen Verbreitung zu verflüchtigen schien. Am Ende der Dekade entstanden politische Rockbands, die ausdrücklich zur Veränderung der Gesellschaft beitragen wollten – schnelle und aggressive Rockmusik wurde teils als Ausdruck eines expressiven Lebensgefühls, teils als geeignetes Medium zur Übermittlung revolutionärer Botschaften verstanden. Der Vortrag untersucht am Beispiel von Rock- und Bluesmusik, wie die zunehmende Kollision zwischen dem in der Gegenkultur virulenten Anspruch auf Authentizität und den Mechanismen der kulturindustriellen Verbreitung mit einer Radikalisierungsdynamik auf der politischen Ebene korrespondierte.
Detlef Siegfried, Prof. Dr., Jg. 1958, ist seit 1996 Associate Professor für Neuere Deutsche Geschichte und Kulturgeschichte an der Universität Kopenhagen. Er hat Geschichte, Soziologie und Germanistik studiert. Siegfried war von 1993 bis 1996 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Körber-Stiftung und von 2002 bis 2005 der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg tätig. Zu seinen Veröffentlichungen gehören u.a.: Between Marx and Coca-Cola. Youth Cultures in Changing European Societies, 1960-1980, Oxford/New York 2005 (Hrsg. mit Axel Schildt); Time Is on My Side. Konsum und Politik in der westdeutschen Jugendkultur der 60er Jahre, 2. Aufl., Göttingen 2008; Deutsche Kulturgeschichte. Die Bundesrepublik von 1945 bis zur Gegenwart, München 2009 (mit Axel Schildt).

9.7.2010 Polizei, Protest und Pop. Staatliche Ordnungsmacht und gesellschaftliches Aufbegehren in der Popmusik seit 1970
Mitschnitt der Vorlesung am 9.7. als
Audiostream.
Prof. Dr. Carsten Dams (Duisburg)
Seit ihrem Aufkommen hat die Pop- und Rockmusik eine gesellschaftskritische Komponente: Die Palette reicht dabei von der Kritik an überkommenen gesellschaftlichen Konventionen bis hin zur Fundamentalopposition gegen das jeweilige politische System schlechthin. Hiervon muss geradezu zwangsläufig auch die Polizei betroffen sein, verkörpert sie doch das Gewaltmonopol des Staates im Innern und repräsentiert den Staat und seine gesellschaftliche Ordnung darüberhinaus auf vielfältige Weise. In diesem Kontext soll untersucht werden, inwieweit und auf welche Weise die Polizei in der Popmusik thematisiert wurde. Dabei rückt vorwiegend deutsche oder in Deutschland wahrgenommene Musik aus dem angloamerikanischen Sprach- und Kulturraum in den Mittelpunkt der Betrachtung.
Carsten Dams, Prof. Dr., Jg. 1969 ist Professor für Polizeiwissenschaft an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen in der Abteilung Duisburg. Er studierte von 1990 bis 1996 Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie in Duisburg. 2001 folgte eine Promotion zum Dr. phil. mit einer Studie über den Staatsschutz in der Weimarer Republik. Von 2003 bis 2008 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Dokumentations- und Forschungsstelle für Polizei- und Verwaltungsgeschichte an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) NRW in Münster, anschließend wechselte er an die Abteilung nach Duisburg.Seine Arbeits- und Interessenschwerpunkte sind die Geschichte und Soziologie der Polizei. Zunehmend beschäftigt er sich mit den theoretischen Grundlagen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der heutigen Polizeiarbeit sowie der Etablierung der Polizeiwissenschaft.

16.7.2010 Impliziter Protest und lauter Ambivalenzen: Punk, Postpunk und No Wave
Mitschnitt der Vorlesung am 16.7. als
Videostream.
Dr. Andreas Kühn (Düsseldorf)
Punk, Postpunk und No Wave waren der Soundtrack eines schmerzhaft empfundenen politischen und gesellschaftlichen Paradigmenwechsels insbesondere in England und den USA. Maggie Thatcher und die Reagonomics machten dem Sozialstaat den Gar aus und reaktivierten libertarianistische Wirtschaftsmodelle aus den Häusern Hayek und Friedman. Trotzdem blieb der politische Aufschrei aus. Stattdessen gab Johnny Rotten von den Sex Pistols den Imperativ von „Never trust a Hippie“ aus, kokettierten die Post-Punks von Joy Division und Siouxsie And The Banshees offen mit NS-Symbolik und provozierten die New Yorker „No Waver“ durch überbordende Gewalt und inszenierte Langeweile ihr Publikum. Was aber war daran Protest oder gar Politik? Tatsächlich hielt man sich mit gesellschaftskritischen Statements weitgehend zurück und zelebrierte Verkapselung und Distanziertheit. Doch das Fehlen von expliziten Aussagen bedeutete noch lange kein politisches Zölibat. Vielmehr wurde Kritik und Protest implizit geäußert, was nicht selten durch den Rückgriff auf bereits bekannte kulturelle Strömungen wie den Surrealismus, die „Neue Sachlichkeit“ oder den Situationismus geschah. Aus diesem Blickwinkel blieb Musik nicht länger nur Musik, sondern wurde mitunter zum „Happening“, zu einem Moment des Protests, eben des impliziten Protests. Diesem impliziten Protest und den damit einhergehenden Ambivalenzen soll in der Vorlesung anhand von Beispielen aus den sich in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre formierenden Musikbewegungen nachgespürt werden. Hierbei geht es insbesondere um die „Lipstick Traces“ (Greil Marcus), welche die europäische Kulturgeschichte hinterlassen hatte und die von Punk, Post-Punk und No Wave wieder aufgenommen und weiterentwickelt wurden.
Andreas Kühn, Dr. phil., Jg. 1973, ist Lehrbeauftragter am Institut für Geschichtswissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er hat Geschichte und Germanistik studiert (2000 M.A.) und ist mit der Studie „Stalins Enkel, Maos Söhne: Die Lebenswelt der K-Gruppen in der Bundesrepublik der 70er Jahre“ 2004 in Düsseldorf promoviert worden. Es folgten Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt „Demokratisierung, Nazifizierung, Entnazifizierung: Die Düsseldorfer Bezirksregierung als Schnittstelle von Verwaltung und Politik, 1916-1955“ (2003-2006), als Gutachter für den Deutschen Bundestag und als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Politische Theorie an der Universität Duisburg-Essen (2007-2009). Derzeit arbeitet er an dem Buchprojekt "Surrealistic Soundscapes - Surrealismus, Intellektualismus, Avantgarde und Indierock".

23.7.2010 “When the Belfast Child sings again”. Pop im Nordirland-Konflikt in den 1980er Jahren
Mitschnitt der Vorlesung am 23.7. als
Videostream.
Dr. Yvonne Wasserloos (Düsseldorf)
„Bloody Sunday“ der irischen Band U2 zählt bis in die Gegenwart zu jenen Songs, die durch unzählige Cover-Versionen mittlerweile „Evergreen“-Status erreichen. Die musikalische Verarbeitung des Nordirland-Konflikts gehört damit zu einem (inter-)nationalen Phänomen in der Popularmusik-Branche. Vorrangig in den 1970er und 1980er Jahren entstanden Songs, die die Gewalt durch die Britische Armee und den Terror der IRA reflektierten. Ihre Brisanz offenbarte sich, als in den 1970ern kritische Songs von der BBC indiziert wurden. Diese Zensurversuche wirkten sich jedoch kontraproduktiv aus, die Zahl der kritikübenden Lieder stieg an. Die 1980er bedeuteten sogar Jahre des kommerziellen Erfolgs auch außerhalb des United Kingdom. Zu fragen ist nach der Art der musikalischen Verarbeitung und Rezeption des politisch und emotional stark besetzten Nordirland-Konflikts. Übernahm dieser möglicherweise eine Stellvertreterfunktion, die durch Musik hörbar wurde?
Yvonne Wasserloos, Dr., Jg. 1971, ist Lehrbeauftragte am Musikwissenschaftlichen Institut der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Sie studierte Musikwissenschaft, Neuere Geschichte, Germanistik und Skandinavistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 1996 wurde ihr der Grad Magistra Artium verliehen. Mit ihrer durch mehrere DAAD-Stipendien geförderten Dissertation „Kulturgezeiten. Niels W. Gade und C.F.E. Horneman in Leipzig und Kopenhagen“ wurde sie 2002 bei Prof. Dr. Klaus Hortschansky (Münster) promoviert. Als Dozentin für Musikwissenschaft war und ist Yvonne Wasserloos am Musikwissenschaftlichen Institut der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf sowie den Universitäten in Düsseldorf, Lüneburg und Münster tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen den deutsch-skandinavischen Kulturtransfer, die Musikgeschichte Nordeuropas, musikalische Erinnerungskulturen im Nationalsozialismus sowie die politische Popularmusik im 20. Jahrhundert.


