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20. 06. 2018

Prof. Dr. Heike Sperling über Ihren Werdegang, Motion Design und das Verlernen

Die Professorin für Digitale Bildmedien sprach mit uns über ihre Karriere als Kreativdirektorin, ihre transmedialen Interessen und Visual Music

[IMM]: 2004 wurden Sie an die Robert Schumann Hochschule Düsseldorf als Professorin für Digitale Bildmedien berufen. Sie initiierten den Studienschwerpunkt Visual Music und fokussieren in Ihrem Seminar „Konzept, Gestaltung, Produktion” auf die Konzeption und Umsetzung von transmedialen Projekten. Wie ist Ihr Seminar aufgebaut und welche Aspekte sind Ihnen besonders wichtig?

[H.S.]: Das Seminar Konzept, Gestaltung, Produktion ist Teil des Vertiefungsmoduls Visual Music und läuft über zwei Semester. Im Sommersemester lehre ich zusammen mit dem Kölner Komponisten Marcus Schmickler. Unser Fokus liegt auf Ideenfindung, Recherche, Konzeptentwicklung und den Kompositionskriterien für Bild und Klang, um die Studierenden in den ersten Schritten hin zu einem eigenen Visual Music Projekt zu unterstützen. Im Wintersemester lehren wir beide dann getrennt und besprechen in Kolloquien die Projekte der Studierenden während ihrer Umsetzungsphase. Bei Marcus Schmickler geht es um die Ton- und bei mir um die Bildkomposition. Die Studierenden stellen ihre Visual Music Projekte im Unterricht vor und bekommen auf der einen Seite mehr Sicherheit darin, ihre Projekte vor anderen zu präsentieren und gleichzeitig üben sie kritisches Feedback zu geben und anzunehmen.

[IMM]: Sie studierten an der Universität Wuppertal Kommunikationsdesign und promovierten im Bereich Ästhetik zum Thema Integrative Audiovisualistik. Was fasziniert Sie an dem Zusammenwirken von Bild und Ton und welche Aspekte von Visual Music finden Sie spannend?

[H.S.]: Am 1. August 1987 ging MTV in Deutschland auf Sendung und hat mein Leben verändert. Durch MTV, die 24 Stunden am Tag Musikvideos zeigten ‚explodierte’ von einem Tag auf den anderen dieses Genre und ich wollte genau so was auch machen. Aber ich studierte noch und es gab keine Lehrenden, die davon eine Ahnung gehabt hätten. Also ging ich noch während des Studiums zum Fernsehen. Als ich 2004 dann hier an die Musikhochschule berufen wurde, habe ich mich gefragt, wie ich eine Verbindung zwischen den Studierenden, die ja alle Musiker*innen sind und mir, die ich aus dem Motion Design komme, herstellen könnte. Von einer meiner ehemalige Studentinnen an der Filmakademie Baden-Württemberg, die heute selber Professorin in Köln ist, hörte ich zum ersten Mal über das Genre Visual Music. Mir war sofort klar, dass Musikvisualisierung die ideale ‚Brücke‘ ist auf der die Studierende und ich uns entgegenkommen können. Denn die Studierenden erklären mir, welche musikalischen Strukturen sie in den Bildern sehen und hören, und ich kann mit ihnen darüber sprechen, wie man Klänge visualisiert.

[IMM]: Sie sind seit 20 Jahren in der Lehre engagiert, seit 1998 an der Filmakademie Baden-Württemberg und seit 2004 hauptberuflich an der Robert Schumann Hochschule. Neben der Lehre waren und sind Sie in vielen andere Projekten tätig. Gibt es eine Situation, die Sie besonders inspiriert hat?

[H.S.]: 2001 war ich als selbständige Kreativdirektorin und Produzentin für das gesamte On Air Design eines neuen Musiksenders verantwortlich. Damals habe ich zusammen mit dem Berliner Über-Designer Chris Rehberger eine Gruppe von internationalen Designer*innen und Komponist*innen angeführt. Unter anderem hatten wir die britische Design Legende Peter Saville angefragt und er kam tatsächlich nach Köln, um mit uns zu kollaborieren. Peter Saville ist für mich Vorbild und Mentor im Bereich Gestaltung und als er dann nach Köln zum Briefing kam, zeigten wir ihm voller Begeisterung, was wir schon produziert und gestaltet hatten. Seine Reaktion darauf war ein Schock für mich, „Heike, what a graphical nightmare, what a waste of effort.” Diesem Schock folgte eine lange Zusammenarbeit, auch noch später für den WDR, wo ich zwei Jahre Designchefin war. Peter hat mich gelehrt, die ornamental dekorativen 90er Jahre zu ‚verlernen‘, in denen es nur noch um die Form ging, und mich endlich wieder mit Inhalten zu beschäftigen. Also, zuerst zu fragen, was will ich sagen? Und dann nur das Nötigste an Gestaltung einzusetzen, keine Ornamente als Selbstzweck mehr. Durch die Begegnung mit ihm habe ich eine komplett neue Herangehensweise an Gestaltung verinnerlicht und habe mich von dort an immer gefragt, welche Bildkomposition brauche ich wirklich, um etwas zu erzählen oder zu vermitteln. 

[IMM]: Können Sie uns jemanden nennen, dessen Arbeit und Person Sie außerordentlich bewundern? Und welche Art von transmedialen Arbeiten gefallen Ihnen privat besonders?

[H.S.]: Diese Trennung von privaten und beruflichen Interessen kenne ich nicht. Zur Zeit fasziniert mich der irische Künstler David O’Reilly. Sein Computerspiel Everything ist eines der spannendsten Projekte des letzten Jahres. Gerade höre das Minimal Music Album von Midori Takada Trough the looking glass rauf und runter. Sarah Szczesny, die ihr Performanceprojekt Phantom Kino Ballett letzte Woche bei mir im Seminar Transformate im Masterstudiengang Klang und Realität vorgestellt hat, empfahl es mir. Sie und ihre Kollegin Lena Willikens finde ich im Moment auch unglaublich inspirierend. Sie führen mich wieder an meine Wurzeln – Sampling, Appropriation Art und Found Footage – zurück.

[IMM]: Gab es eine bestimmte Technologie, die großen Einfluss auf Ihre Arbeit hatte?

[H.S.]: Die Entwicklung und Entstehung des Internets war ein radikaler Wandel für mich, zum Beispiel weil mir jetzt so viel mehr Wissen zur Verfügung steht und weil das Netzwerken einfacher geworden ist.Ich glaube, dass Virtual Reality ähnlich starke Veränderungen auslösen wird. Mich interessieren primär die Ideen und Inhalte für neue Plattformen und Technologien, zum Beispiel wie in einem Game die Vorstellung von ‚Everything‘ erlebbar wird, weil ich alles bin und alles sein kann.

Das Interview führte Laura Greco.
Hier geht es zur Webseite: heikesperling.de



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