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23. 07. 2018

Christian Schäfer über Notation, Bilder und DJing

Der IMM-Dozent für Bildgestaltung/Grafik sprach mit uns über die Ausstellungsreihe Stille Post und seine Tätigkeit als DJ.

[IMM]: Seit 2010 unterrichten Sie am Institut für Musik und Medien der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Im Schwerpunkt Visual Music leiten Sie die Seminare "Musikvisualisierung im stillen Bild" und "Bildkomposition und -rhythmus". Können Sie uns einen kurzen Überblick geben, wie die Seminare bei Ihnen aufgebaut sind und welche Aspekte Ihnen besonders wichtig sind?

[C.S.]: Im Wintersemester entwerfen die Studierenden in der Lehrveranstaltung Musikvisualisierung im stillen Bild ein Plakat für die Visual Music Night im Salon des Amateurs. Diese Veranstaltung findet jährlich im Februar statt und es gibt jedes Mal einen special guest. In den letzten Jahren waren das zum Beispiel der DJ Ben UFO, der Musiker Wolfgang Voigt oder der Plattenladen A-Musik. In der Gestaltung des Plakats sollte sich der musikalische Stil des jeweiligen Gastes wiederfinden. Neben der Musikvisualisierung werden viele gestalterische und technische Fragen behandelt, z.B. was man durch Typografie ausdrücken kann oder wie Plakate funktionieren und kommunizieren. Im Seminar meines Kollegen Falk Grieffenhagen werden dann diese Entwürfe ins bewegte Bild übertragen und schließlich während der Visual Music Night live zur Musik abgespielt. Im Sommersemester geht es in der Lehrveranstaltung Bildkomposition und -rhythmus um alternative Notationsformen, wie sie zum Beispiel in der Neuen Musik benutzt werden. Auch die Verbindung von Musik und bildender Kunst sowie die Gestaltung von Plattenhüllen sind Themen, die uns interessieren. In der praktischen Arbeit nutzen wir hier das Prinzip des Kinderspiels Stille Post. Alle Studierenden bekommen per Losverfahren ein Musikstück, für das sie eine alternative Notation anfertigen. Dabei können Symbole, Farben, Formen und abstrakte Bilder benutz werden, aber auch Video kommt häufig zum Einsatz. Es ist also eine offene Aufgabenstellung - nur traditionelle Noten dürfen nicht benutzt werden. Danach werden diese Notationen verlost und alle Studierenden komponieren ein neues Musikstück. Diese neue Komposition, aus der Notation entstanden, bekommt ein gestaltetes Cover. Dieses Reihe macht viel Spaß und es entstehen tolle Notationen, Musikstücke und Cover! 

[IMM]: Am Ende jedes Sommersemesters findet im Vertiefungsmodul Visual Music unter Ihrer Leitung die Ausstellung Stille Post statt. Können Sie uns kurz das Konzept und die Idee vorstellen? Wo und wann wird die Ausstellung dieses Jahr stattfinden?

[C.S.]: Die Ausstellung Stille Post wird von den Studierenden selbst organisiert und seit dem Sommersemester 2016 findet die Ausstellung in der SITTart Galerie in Düsseldorf statt. Hier kann man die kompletten Transformationen sehen und hören. Vernissage ist am Donnerstag, den 26. Juli ab 18:00 Uhr.

[IMM]: Neben dem Lehrauftrag in Düsseldorf, sind Sie als Designer und DJ tätig. Gibt es einen Auftrag, eine Zusammenarbeit oder einen Auftritt den Sie besonders in Erinnerung haben und der sie nachhaltig beeindruckt hat?

[C.S.]: Während der zehn Jahre als Art Director für das c/o pop Festival habe ich viele Erfahrungen als Designer gesammelt. Aber besonders inspirierend war zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Künstlerin Sarah Szczesny am Erscheinungsbild des Plattenlabels Cómeme und ganz aktuell freue ich mich darüber, dass ich seit September 2017 als Grafikdesigner für alle Kommunikationsmittel des Stadtgartens in Köln zuständig bin. DJ-mäßig sind natürlich die Reisen und Auftritte in andere Länder eine tolle Inspirationsquelle - sowohl musikalischer als auch visueller Art. 

[IMM]: Die beiden Gebiete Musik und Grafik betrachten Sie bewusst als Ergänzung und Zusammenspiel und nicht als gegenüberstehende Kunstformen.Wo sehen Sie die Überschneidungen und die sich ergänzenden Aspekte der beiden Bereiche?

[C.S.]: Musik durch Grafik zu interpretieren oder ihr durch Bilder etwas hinzuzufügen hat mich schon immer fasziniert. Diese Möglichkeit sehe ich für mich im Bereich des Grafikdesign für Musikveranstaltungen oder im Verpacken von Musik, wie zum Beispiel Covergestaltung oder Erscheinungsbilder für Musiker, Labels und Spielstätten. Meine ersten Arbeiten im Bereich der visuellen Kommunikation waren Flyer für kleine Technoparties im Wald, auf dem Land, die wir damals veranstaltet haben. Das war Anfang der 90er und ich habe Fotos, Kopierer, Letraset und anderes Büromaterial dafür benutzt. Um die extrem langen und komplizierten Wegbeschreibungen zu setzen sind wir zu einem Bekannten ins Nachbardorf gefahren, der bereits einen Computer besaß.

[IMM]: Gab es einen technischen Wandel, ein Tool oder ein digitales Programm, das einen großen Einfluss auf Ihre Arbeit hatte?

[C.S.]: Die Digitalisierung im Bereich von Grafikdesign und Musik würde ich als einen wichtigen Wandel sehen. Als DJ habe ich mit Vinyl angefangen aufzulegen und als dann ab den Nullerjahren CD-Player in den Clubs auftauchten, war ich zunächst skeptisch. Doch die Möglichkeit am Nachmittag Musik zu machen und sie abends schon auf CD im Club ausprobieren zu können oder die vielen tollen aber unveröffentlichten Stücke von Freunden spielen zu können, hat mich schnell überzeugt. Ein anderes Beispiel: 1998 habe ich mir meine erste Digitalkamera gekauft. Das ich plötzlich so viel ausprobieren konnte ohne mir Sorgen um das Geld für Filmmaterial zu machen war fantastisch. Heutzutage lege ich aber immer noch sehr gern mit Vinyl auf, fotografiere am liebsten analog und liebe meine alten Drummachines und Synthesizer. 

Das Interview führte Laura Greco.
Hier geht es zur Soundcloud-Seite von Christian Schäfer.



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