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23. 08. 2019

Laurenz Ulrich über seine Installation hörst du mich?

IMM-Student Laurenz Ulrich sprach mit uns über sein Abschlussprojekt im Vertiefungsmodul Visual Music.

[IMM]: Dein Abschlussprojekt für das Vertiefungsmodul Visual Music war eine audiovisuelle Installation. Wie bist du auf die Idee für dieses Projekt gekommen?

[L.U.]: Ich hatte schon früh die Idee, eine Installation innerhalb einer selbstgebauten Telefonzelle zu erstellen. Dabei ging es mir anfangs vor allem um den Raum und das Medium Telefon. Was genau gezeigt werden sollte war zu Beginn noch unklar und hat sich erst im Laufe des Prozesses entwickelt. Ich finde, dass die Telefonzelle ein spannendes Objekt ist und bedaure, dass sie allmählich aus dem Stadtbild verschwindet.
In der Weiterentwicklung kristallisierte sich dann heraus, dass es mir weniger um das Objekt als um Situationen, die sich durch den Raum beschreiben lassen, ging. Dabei boten die Großstadt, der Umgang mit Stress, Chaos, Lärm und der Überfluss an Eindrücken, die man im städtischen Leben verarbeiten muss, wichtige Anhaltspunkte für die inhaltliche Ausarbeitung. Ich glaube, die Momente, in denen man die Vielzahl von Eindrücken um sich herum einfach in sich aufsaugt und genießt, kennt jeder. Genau wie die, in denen einfach alles zu viel ist, was von außen auf einen einprasselt. Beide Fälle sind aber so schwer greifbar. Ich habe versucht die Gefühle und Stimmungen einzufangen, die in diesen Momenten entstehen.

[IMM]: Die Klänge, Sounds und Sprache hast du mit Unterstützung von Ton und Bild-Student Janis Ahnert komponiert und aufgenommen. Was war Deine Inspiration und welche Intention hattest Du dabei?

[L.U.]: Es ging mir um erlebbare Zustände und deren Wahrnehmung wollte ich möglichst authentisch mit aufgenommenen Klängen umsetzten. Für erste Eindrücke und Vorarbeiten bin ich in Düsseldorf und Köln herumgereist und habe mit meinem Fieldrecorder Sounds, Klänge und Geräusche aufgenommen. Dabei habe ich besonders laute Plätze gesucht. Für die Installation habe ich allerdings hauptsächlich auf Aufnahmen aus verschiedenen Sound Libraries zurückgegriffen.
Wenn der Telefonhörer in der Installation nicht abgenommen war, war diese überzeichnete städtische Geräuschkulisse zu hören. Das Chaos sollte überfordern und die Besucher*innen von allen Seiten bedrängen. Wenn der Telefonhörer nach dem Klingeln des Telefons abgenommen wurde, veränderte sich die Installation für die herumstehenden Zuhörer*innen. Der Lärm fror ein und entführte die Zuhörer*innen in eine neue, unwirkliche Welt. Nur die Person am Telefonhörer konnte Textabschnitten unterschiedlicher Autoren zum Thema Städtisches Leben lauschen. Das verlieh der konstruierten Telefonzelle zusätzlich Intimität.

[IMM]: Die Bilder hast du selber aufgenommen und bearbeitet. Was war deine Inspiration und welche Intention hattest du dabei?

[L.U.]: Die Bildaufnahmen waren von mir selbst aufgenommen, bearbeitet und verarbeitet. Ich machte zunächst Videoaufnahmen in der Stadt. Diese transportierten aber zu viele Informationen, die vom Kern meiner angestrebten Aussage ablenkten. Deshalb habe ich im kleinen Bildstudio des IMM vor einem Bluescreen Aufnahmen von mir selbst aus verschiedenen Blickwinkeln gemacht bei denen ich durch das Bild ging. Das Bildmaterial habe ich in After Effects so übereinander gelegt, dass der Eindruck einer künstlichen Menschenmasse entstand.
Schwarz-weiß war für mich eine bewusste künstlerische Entscheidung, denn ich wollte möglichst wenig visuelle Ablenkung schaffen. Mir war wichtig, dass die Aufmerksamkeit auf der Bewegung an sich liegt und nicht die Farben die Blicke lenken. Ton und Bild sollten eine gleichwertig klare Wirkung erzielen.

[IMM]: Wie würdest du sagen, hat dich dieses Projekt als Künstler wachsen lassen? Und möchtest du daran noch weiter arbeiten? Wenn ja, was schwebt dir vor?

[L.U.]: Ich habe in diesem Projekt sehr viel gelernt. Besonders das Zeitmanagement, und das Planen für eine feste Deadline waren tolle Lernerfahrungen. Ich habe technisch total viel lernen können und auch meine Fertigkeiten im Umgang mit MAX MSP steigern können. Das war vorher ein Mysterium für mich und es war schön, hierin so große Fortschritte zu machen.
Außerdem war es eine bereichernde Erfahrung mit Arduino analoge Geräte im künstlerischen Kontext digital nutzen zu können. Ich würde gern noch ein paar Dinge ausbessern und weiter mit dem Medium Telefon arbeiten.

[IMM]: Wer und Was inspiriert dich als Künstler privat aber auch für deine Projekte?


[L.U.]: Eine Inspirationsquelle für die Installation war beispielsweise „Face in the Crowd“ von Alex Prager. Ich finde Street Photografphy besonders spannend, weil sie eine sehr bewusste Wahrnehmung der Umwelt und Geschehnisse um sich herum fordert. Da fällt mir zum Beispiel der amerikanische Fotograf Joel Meyerowitz ein. Er hat außergewöhnliche Momente eingefangen. Seine Fähigkeit erlebte äußere Eindrücke so klar zu visualisieren, beeindruckt mich.

[IMM]: Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview führte Laura Greco.
>> Hier geht es zum Projekt



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