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27.07.2020

Duette auf Distanz

Nihal Azak, Tomas Kildisius

Not macht erfinderisch. Als die Hochschule während der Corona-Pandemie ihre Pforten schließen musste, ist Prof. Thomas Gabrisch in die Rolle des Korrepetitors geschlüpft. Der Leiter der Opernklasse stellte zu Hause ein Mikrophon auf, setzte sich an den Flügel und spielte verschiedene Klavierauszüge ein. Die Audiodateien schickte er dann an die Sängerinnen und Sängern aus seiner Klasse - mit der Bitte, ihre Stimme mit dem Smartphone einzusingen, aufzunehmen und zurückzuschicken. „Am Anfang war die Teilnahme noch etwas zögerlich, weil sich die Studierenden erstmal an eine noch nicht etablierte Unterrichtsform gewöhnen mussten“, erinnert sich Gabrisch. Mittlerweile haben sich 30 Studierende an dem Videoprojekt beteiligt. 15 Videos und viele weitere Audioaufnahmen liegen bereits vor.

Begonnen hat Prof. Thomas Gabrisch mit einem Ensemble aus der Figaro-Produktion, die wegen der Pandemie komplett ins Wasser fiel.

Mozart, Le nozze di Figaro: Sestetto
Nihal Azak, Tomas Kildisius, Eetu Joukainen, Pauline Asmuth, Robin Liebwerth, George Clark

Dann suchte er spezielle Ensembles für Sängerinnen und Sänger mit besonderen Fähigkeiten heraus und bat die Studierenden um eigene Ideen. Da Sänger und Begleiter nicht in Echtzeit aufeinander hören können, gibt es bei Tempowechseln und Fermaten, an denen der Korrepetitor gewöhnlich auf das Ende einer Koloratur warten muss, viel Gesprächsbedarf: „Da mussten wir uns heranarbeiten, weil ja nicht spontan gemeinsam musiziert und empfunden wird. Oft kamen dann Wünsche, die Begleitung nochmal im Tempo und bei Übergängen anzupassen.“ Besonders gefreut hat ihn, dass sich auch Prof. Juliane Banse und Prof. Konrad Jarnot sofort bereit erklärt haben, an diesen Projekten zusammen mit den Studierenden mitzuwirken.

Puccini, La Boheme: Duett Rodolfo und Marcello
Bryan Lopez Gonzalez, Prof. Konrad Jarnot

Nicolai, Die lustigen Weiber von Windsor: Duett Herr Fluth und Falstaff
Laurin Siebert, Robin Liebwerth    

Leo Delibes, Lakme: Blumenduett
Ekaterina Zhuravskaya, Kim Holtappels


Nicht alle Aufnahmen der Studierenden entsprachen den hohen Qualitätsansprüchen:  „Vielen habe ich Listen mit Korrekturen geschickt und um weitere Aufnahmen gebeten. Das ging dann teilweise bis zur zehnten Korrekturaufnahme, bis wir die beste Fassung gefunden hatten“, sagt Gabrisch. „Bei anderen habe ich mit dem digitalen Aufnahmeprogramm die Intonation, das Tempo und die Dynamik verbessert. Diese Fassung habe ich dann erneut geschickt und gebeten, die alte und die bearbeitete Aufnahme zu vergleichen und zu analysieren. Das ist für mich ein verblüffend guter Unterrichtsansatz. Mit den digitalen Möglichkeiten kann ich nun zeigen: So müsste es sein, hör dir das an und verbessere es!"


Der Online-Unterricht bietet neue Perspektiven – hat aber auch viele Nachteile. „Da man über eine Internetverbindung durch die zeitliche Verzögerung nicht gleichzeitig musizieren kann, zumindest nicht mit unseren technischen Möglichkeiten, muss alles hin und her geschickt werden. Was die Arbeit manchmal etwas mühsam macht. Aber die Studierenden bleiben in der Übung, lernen neue Stücke und bekommen durch die neuen digitalen Möglichkeiten sehr genaue und konkrete Hinweise darauf, was sie noch verbessern können. Das professionalisiert und bringt sie weiter in der Ausbildung“, betont Gabrisch und fügt hinzu: „Ohne das Online-Projekt hätte ich in diesem Semester die Klasse nicht unterrichten können.“


Auch im Wintersemester wird sich die Lage voraussichtlich nicht ändern.  „Durch die Abstandsregeln von vier Metern für Sängerinnen und Sänger wird es auch im WS erstmal keine der sonst üblichen Ensembleproben geben können.“



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