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21.12.2020

Neuer Blick aufs Ritterballett

Der 20-jährige Ludwig van Beethoven komponierte für den Grafen Ferdinand von Waldstein ein „charakteristisches Ballett in altdeutscher Tracht“, das, so der Graf, die „Hauptneigungen unserer Urväter zu Krieg, Jagd, Liebe und Zechen“ in ebenso schicklicher wie überzeichneter musikalischer Form aufgreift. Zweihundertfünfzig Jahre später wurde das Ritterballett nun beim Beethoven Orchester reloaded. 

Acht junge Komponistinnen und Komponisten zwischen 13 und 20 Jahren haben die Thematik aus heutiger kompositorischer Sicht interpretiert: Beethoven reloaded  
Unter ihnen war auch der Student Lukas Döhler.  

Lukas, welche Rolle hattest Du in diesem Projekt?

Lukas Döhler: Ich habe – wie die anderen sieben Komponisten auch - ein etwa dreiminütiges Stück zu unserem gemeinsamen Orchesterstück beigesteuert. Dabei haben wir uns - in welcher Form auch immer - an jeweils einem Satz aus Beethovens frühen Ritterballett orientiert, denn auch dieses Projekt stand ganz im Zeichen des Beethovenjahres. Im abschließenden Kinderkonzert in der Bonner Oper wurden dann auch immer jeweils ein Satz von Beethoven mit dem dazugehörigen neuen Stück aufgeführt, begleitet durch eine Moderation der Dirigentin und kurzen Interviews.

Mit dem Komponisten David Graham stand ein erfahrener Mentor dahinter. Wie kam der Kontakt zustande? 


Der Kontakt zu David Graham entstand schon 2009, als ich damals an der Clara-Schuman-Musikschule Düsseldorf in seine Kompositionsklasse kam. Seitdem habe ich schon an mehreren gemeinsamen Projekten mit jungen Komponisten unter seiner Leitung gearbeitet, unter anderem auch 2017 an „Flut“, einem Projekt der Deutschen Oper am Rhein. So hatte mich David Graham dann auch für „Ritterballett reloaded“ gefragt. 

Auf welchen Satz hast Du dich bezogen? 

Mein Beethoven-Satz war der „Deutsche Gesang“, der im ursprünglichen Ritterballett als Einlagesatz mehrmals wiederholt wird. Die durch die Wiederholung des Bekannten erreichte Ruhe habe ich versucht, auch in „Intermission“ prinzipiell umzusetzen. Mein Ziel war es, ein Stück zu schreiben, in dem man einmal ruhig durchatmen und sich ganz auf die kleinen Details konzentrieren kann. Dieses kleine Detail bestand daraus, dass ich das Orchester zweigeteilt habe, eine Fraktion, die der Dirigentin folgt und eine andere Fraktion, die auf dem Schlag der Pauke folgt. Stück für Stück driften beide Fraktionen auseinander, und das war sicher einer der schwierigsten Stellen im Kompositionsprozess. Denn bei all den Möglichkeiten, die sich aus dieser Konzeption der zwei Fraktionen ergeben, musste das Stück letztlich mit zwei Proben realisierbar sein. Umso mehr Spaß hat es mir dann gemacht, in den Proben zu sitzen und festzustellen, dass diese Idee aufgeht; fast noch besser waren aber grade die Erkenntnisse, an welchen Stellen es nicht so klingt, wie gedacht.

Besonders in den Proben und im Konzert ist auch klar geworden, wie toll das ganze Projekt ist: Die Arbeit mit dem Beethoven Orchester und der Dirigentin Carolin Nordmeyer war total professionell und gleichzeitig freundlich, alle waren motiviert und offen. Dass die Aufführung ein Kinderkonzert war, hat es meiner Meinung nach noch besser gemacht; endlich mal kein trockenes Klassik-Konzert!      



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