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31.03.2021

Gebäude e: Kein Bruch zwischen alt und neu

Interview mit Sonja Hübner, projektverantwortliche Architektin der assmann architekten, über das Entwurfskonzept des neuen Musikzentrums der Hochschule in Düsseldorf-Golzheim.

Das Bestandsgebäude auf dem FH Campus Nord in Düsseldorf-Golzheim wurde als Labor- und Seminargebäude für den technischen Fachbereich der Fachhochschule Düsseldorf geplant und 2002 fertiggestellt. Was waren aus Ihrer Sicht die Herausforderungen bei der Umnutzung des Gebäudes als Musikhochschule? 

Sonja Hübner: Für die Nutzungsänderung als Musikhochschule erfolgte zunächst die nahezu vollständige Entkernung des Gebäudes. Zudem mussten große Teile der Fassade auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit erneuert werden. Gleichzeitig sollten alle neuen räumlichen und technischen Nutzungsanforderungen mit ihren Funktionen so erfüllt werden, dass daraus eine Einheit im Sinne der zukünftigen musikalischen Ausprägung des Gebäudes entstehen konnte. Da haben wir als Architekten uns im Entwurf natürlich der Herausforderung gestellt, sensibel und angemessen mit der gelungenen Architektursprache des Bestandsgebäudes umzugehen.

Welche neuen Nutzungen finden sich jetzt im Gebäude? 

Hier ist im Wesentlichen die Etablierung einer studentennahen Freihandbibliothek mit über 160.000 Medien zu nennen, Institutsbereiche mit diversen Seminarräumen und Büroflächen für die Professoren, die Lehrbeauftragten sowie die Verwaltung. Außerdem sind über 50 individuelle Überäume und ein Tanz- und Bewegungsraum entstanden. Das großzügige zweigeschossige Eingangsfoyer um einen begrünten Innenhof und die Freitreppe zum 1. Obergeschoss schaffen viel Raum für studentische Kommunikation und Begegnung.

Können Sie an einem Beispiel die Umsetzung der Entwurfsidee erläutern? 

Allen Umplanungen lag der Gedanke zugrunde, die erforderliche Raumprogramm so umzusetzen, dass die gestalterischen Möglichkeiten, die das Gebäude von seiner Grundstruktur her bietet, sichtbar werden und somit neu und positiv verstärkt hervortreten. Hier ist sicherlich der zum Lernen einladende Bibliotheksbereich hervorzuheben. Dieser erstreckt sich über zwei Ebenen und ist mit einer Freitreppe verbunden, die die Form- und Materialsprache der Foyer-Treppe aufnimmt. Das Gebäude war vormals von Laborräumen mit vorgelagerten Fluren geprägt. Durch den Rückbau wurde es möglich, die Bibliothek über die gesamte Breite des schmalen Riegelbaukörpers zu öffnen und mit Sichtbeziehungen von Nord nach Süd erlebbar zu machen. Die Sichtbetonwand, im Bestand lediglich Abgrenzung zum Flur, wurde so zur ästhetischen Rückwand für die Recherchearbeitsplätze in der Bibliothek, die über geschosshohe transparente Glasfassaden einen Ausblick in die Natur bieten. 

Sicher auch ein Herzstück des Gebäudes: Die Überäume. Sie wurden so angeordnet, dass sie jeweils von zwei Seiten aus erschlossen werden. So sind wertvolle Flure und Kommunikationsflächen in Bereichen entstanden, in denen sich vorher einzelne Räume aufreihten. An der Südfassade ist erst jetzt die Reihung der runden, eingerückten Betonstützen zur Geltung gekommen. Hier verbindet sich Gestaltung mit Funktion: In den Zwischenräumen wurden Sitzbänke vor den Überäumen eingebaut, die zum Verweilen einladen.

Wie sind Sie mit der vorgefundenen Substanz in Bezug auf die Farb- und Materialgestaltung umgegangen? 

Da das Gebäude noch recht jung ist, haben wir uns entschieden, keinen Bruch zwischen alt und neu zu vollziehen, sondern die vorgefundenen Materialien im bewusst eingesetzten Wechselspiel bei der Neuplanung zu berücksichtigen. Großflächige hellgraue Sichtbetonflächen, eine stetige Abfolge von hell- und dunkelgrauen Oberflächen im Fassadenbereich sowie wiederkehrende Elemente in Rotbuche haben das gestalterische Konzept des Bestandsgebäudes geprägt. Der belebende, warme Holzton fand sich z.B. im Bereich der Türen, der Fensterbänke, der Stufenbeläge und einer besonderen Wandgestaltung im Foyer und Galeriebereich wieder. 

Diesem Konzept sind wir treu geblieben und haben es neu interpretiert. So wurden beispielsweise ehemalige 2-flügelige Türen im Bibliotheksbereich zu großzügigen offenen Holzportalen, die auch gleichzeitig die Bibliotheksregale stirnseitig einfassen. Die Belichtung der ebenfalls mit Holz eingerahmten, dunkelgrauen Regale sowie der Bücher und Medien erfolgt über schlichte, eingelassenen LED-Linienleuchten. Im Einklang mit dem Farb- und Materialkonzept des Gebäudes sind gleichermaßen auch alle Einrichtungsgegenstände von uns geplant worden. 

Als neuen Akzent haben wir den auffrischenden Farbton Rubinrot im gesamten Gebäude eingesetzt. Er begleitet wie ein immer wiederkehrender „Ton“ den Nutzer in allen Bereichen. So werden zum Beispiel vor dieser Wandfarbe die schwarzen Klaviere und Flügel in den Überäumen inszeniert. Regelmäßig eingestreute rubinrote Türoberflächen gliedern im Dreiklang mit den vorherrschenden Grautönen längere Flurachsen. Nicht nur die Auffindbarkeit der Räume wird dadurch erleichtert. Es spiegelt sich darin auch eine Vielfalt und Individualität der Musiker, die in den Überäumen musizieren. Die besonderen Türelemente mit sehr hohen Schallschutzanforderungen wurden zudem mit türhohen Sichtfenstern kombiniert. So wird nicht nur ein natürlicher Lichteinfall ermöglicht, sondern es besteht auch immer Sichtkontakt von innen nach außen.  

Das ist ein gutes Stichwort, sicherlich wurden hohe Ansprüche an den Schallschutz im gesamten Gebäude gestellt. 

Das ist korrekt. Verbunden mit der Technischen Ausrüstung war das natürlich eine außergewöhnliche Herausforderung. Insbesondere die Überäume haben sehr komplexe Aufbauten im Wand-, Decken- und Fußbodenbereich. Es mussten aufwendige, zweifach abgehängte Gipskartondecken für die Bau- und Raumakustik gebaut werden. Die Decken sind gleichzeitig Kühl- und Heizdecken und nehmen die gesamte schallgedämmte mechanische Be- und Entlüftung der Räume auf. Auch die Wände erfüllen höchste Schallschutzanforderungen und stehen niemals parallel zueinander. Befindet man sich in den Räumen selbst, bemerkt man das kaum. Betrachtet man allerdings die Planung im Grundriss laufen die Wände schräg weg, so dass man schmunzelnd denkt, dass dem Architekten hier ein Fehler unterlaufen sei. Zusammen mit Holzdiffusoren und Absorbern wurden auf diese Weise Räume mit einer hervorragenden Raumakustik für die Musiker geschaffen. Da in jedem Seminarraum ebenfalls ein Klavier oder Flügel steht, mussten in diesen Bereichen zusätzlich akustische Innenfassaden errichtet werden, um auf diese Weise die Schallübertragung über die durchlaufende Außenfassade zu unterbrechen.

Was können Sie zusammenfassend zu diesem Projekt sagen? 

Es war insgesamt eine äußerst spannende und anspruchsvolle Aufgabe, die mir sehr viel Freude gemacht hat. Sicherlich auch, weil alle, die an diesem Projekt mitgewirkt haben, sehr konstruktiv zusammengearbeitet haben. Wir hatten gemeinsam immer ein Ziel vor Augen: Für zukünftige Musikstudenten hochwertige Räume der Begegnung und des Lernens zu schaffen, die jeden Einzelnen beflügeln im Rahmen ihres Studiums persönlichen Wünschen und Träumen näher zu kommen.

Die Fragen stellte Heike Reschke.



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