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22.09.2022

Mit Lust aus der Tiefe

Rick Stotijn

Der angesagte Kontrabassist Rick Stotijn steht im Zentrum des Gala-Konzerts am 4. Oktober. Ein Porträt von Armin Kaumanns:

Statt eines Besuchs im „garantiert gemütlichsten Klassenzimmer der ganzen Hochschule“ begeben wir uns eben für eine Homestory zu Rick Stotijn. Der Meniskus hindert den Professor für Kontrabass, seine euphorische Beschreibung von unabhängiger Seite begutachten zu lassen. Stattdessen sitzen wir im Souterrain seiner Wohnung in Düsseldorf-Flingern in einem Raum, der als ein Zwischending zwischen schickem Instrumentenmuseum und Bärenhöhle daherkommt. An der Stirnseite sind ehrfurchterregende acht Kontrabässe in Stellung gebracht, Fünfsaiter und Viersaiter, überlebensgroße bis geradezu handliche, Kostbarkeiten und Instrumente für jeden Tag, alte und neue Bässe, in unterschiedlichen Stimmungen und Registern, vom Jazz-Bass bis zum Violone. Man ahnt, hier tut sich eine tiefe, eine vielschichtige Welt auf. Die Sitzecke lädt zum Fläzen ein, der Blick schweift auf mit allerlei Sammlerstücken vollgestellte Glasvitrinen und in einen Nebenraum, der als Bibliothek und Büro fungiert. 

Bass ist einfach cool

Rick Stotijn ist gut drauf. Locker, freundlich, auch indem er die leise Ironie des Besuchers, wie man denn auf die Idee kommen könne, sich unter all den Orchesterinstrumenten gerade den Kontrabass auszusuchen, mit aus allen Wolken fallendem Unverständnis zurückweist: „Bass ist einfach cool. Ohne Bass geht‘s nicht.“

Rick Stotijn hat seit 2014 die Professur für Kontrabass an der RSH inne. Der aus einem Dorf bei Amsterdam stammende Ausnahmemusiker ist 40 und gefühlt immer unter Strom. Muss er auch. Denn in seinem Leben gibt es nicht nur seine Klasse an der RSH, die mit 15 statt der „erlaubten“ zwölf Studierenden übervoll ist. Er lebt mit seiner Frau, der Stimmführerin der 2. Geigen bei den Düsseldorfer Symphonikern, und zwei kleinen Kindern (drei und eins) zusammen. Mit allem, was dazugehört. Daneben ist er Mitglied im Mahler Chamber Orchestra, was bedeutet, er ist allein 60 Tage im Jahr mit diesem Weltklasse-Ensemble unterwegs. Daneben hat er ein Trio für Jazz und allerlei Abseitiges, diverse Kammermusik-Formationen und jede Menge Verpflichtungen als Solist. Da ist die für den 4. Oktober bevorstehende Gala mit Kollegen der Hochschule gewissermaßen ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber immerhin werden im Schumann-Saal unter dem Titel „Diva Kontrabass“ Stotijn und sein Instrument im Mittelpunkt stehen. In etlichen Facetten, von denen man bislang nicht zu träumen wagte. Stichwort: Led Zeppelin.

Besondere Sorte Musiker

Wer sich unter einem Kontrabassisten einen eher gemütlichen Zeitgenossen vorstellt, ein bisschen langsam im Wesen, dezent sich im Hinter- wenn nicht Untergrund haltend, einen Mitläufer im Orchester, so etwas wie der fleischgewordene Sechzehnfuß im Orgelregister, der ist bei Rick Stotijn schief gewickelt. Selbst mit bandagiertem Knie versprüht er Impulsivität, Engagement, Herzblut. „Wir Kontrabassisten sind schon eine besondere Sorte Musiker“, sagt er. „In anderen Instrumentengruppen des Orchesters gibt es bisweilen viele Ellenbogen, da sitzen dann manchmal lauter Solisten. Das ist bei uns anders. Da steht die Gruppe im Mittelpunkt. Wir sind manchmal auch ein bisschen wie Nerds mit unseren Instrumenten, wir experimentieren gern, gern auch bei einem Glas Rotwein.“

Eine große Familie

Stotijn unterrichtet seine Studierenden zur Zeit unseres Treffens notfalls auch zuhause. „Wir sind eine große Familie“, beschreibt er das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das die Chance birgt, dass Studierende auch voneinander lernen können. „Das Wichtigste ist mir, dass jeder und jede den eigenen Klang findet“, sagt er. Dabei ist sein Regiment durchaus streng: Für den wöchentlichen Unterricht haben die Studenten fünf verschiedene Aufgaben zu bearbeiten, neben Repertoire und Etüden stehen regelmäßig auch Probespieltraining und Improvisation auf dem Programm: „Ich setze viel auf Übe-Kontrolle. Denn mir es ist ganz wichtig, dass jeder sein eigener Lehrer wird.“ Stotijn ist mit seinem Unterrichtsstil erfolgreich, all seine Studenten haben nach dem Abschluss eine Stelle bekommen, sagt er. Zuletzt hat ein Jungstudent den ersten Preis bei Jugend musiziert gewonnen, vor drei Jahren hat einer seiner Schüler als erster Kontrabassist überhaupt an der RSH das Konzertexamen absolviert, ein zweiter Student befindet sich gerade mittendrin.

„Ich habe hier einen super Job, da muss, da will ich alles geben“

Der Mann mit Vollbart und Glatze unterrichtet mit Leidenschaft, bei Bedarf auch schon mal bis in die Nacht. „Ich habe hier einen super Job, da muss, da will ich alles geben“, umschreibt er seine Berufsauffassung als Pädagoge. Als Musiker, das weist seine wirklich umfangreiche Diskografie aus (vieles erscheint beim schwedischen Label BIS), dürfte er kaum weniger engagiert sein. In dem Packen CDs, den der Besucher als Anhörungsmaterial mit auf den Heimweg nimmt, sind nicht nur klassische und moderne Kontrabasskonzerte versammelt. Da findet sich reichlich Kammermusik mit seinem „Stockholm Syndrome Ensemble“, unter anderem Schuberts Forellenquintett im Gegenspiel zu fünf Sätzen von fünf zeitgenössischen Komponisten, die Schuberts Werk je einen Satz zugeschrieben haben. Mit den Amsterdam Soloists spielt er die zweite Cellostimme in Schuberts Streichquintett - auf dem Bass, im Quartett mit Fagott, Schlagzeug und Hammond-Orgel erhalten Songs der Doors, von Metallica, Pink Floyd und anderen eine originell tieftönige Note. Auf den Konzertpodien der Welt präsentiert Stotijn das alte und das stet sich erweiternde neue Repertoire für sein großes Instrument. „Wir Bassisten müssen längst nicht mehr bei den Cellisten räubern. Es gibt wirklich wunderbare Musik für Kontrabass zuhauf.“ Armin Kaumanns

Diva Kontrabass, Galakonzert der Robert Schumann Hochschule
4. Oktober 2022, 19.30 Uhr, im Robert-Schumann-Saal, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf
Tickets: 16,50 € – 33,00 € (8,80 €) ermäßigt, Vorverkauf Westticket               



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