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15.11.2022

Die zwei aus dem Schlagzeugkeller

Leon Günther (links) und Florian Nabyl Köhn sind das Duo Orbis Percussion. Sie treten am 27.11. in der Tonhalle Düsseldorf und am 30.11. in der Historischen Stadthalle Wuppertal mit dem Sinfonieorchester der Hochschule auf. 

27. November 2022, 18 Uhr, Tonhalle Düsseldorf/Tickets
30. November 2022, 19.30 Uhr, Historische Stadthalle Wuppertal/Tickets

Der Journalist Armin Kaumanns hat die beiden Schlagzeuger an der Hochschule besucht.

Der erste Eindruck: Da kommen zwei ziemlich freundliche Jungs um die Ecke, beide elastischen Schritts, offenen Gesichts trotz der unvermeidlichen Maske, die im Foyer der Hochschule obligatorisch ist. Unter Haudraufs hätte man sich was anderes vorgestellt. Leon Günther, der etwas Stämmigere der beiden, schaut aus schwarzkonturierter Brille, Florian Nabyl Köhn lässt unterm kurzen krausen, schwarzen Haarschopf dunkle Augen blitzen. Beide sind etwa gleich und nicht sonderlich groß, tragen schwarze Shirts und schwarze Jeans. Ohne viele Umschweife geht’s gemeinsam die Treppen hinab. Überäume, vorbei an Kontrabass-Särgen. Hier ist ihr Reich. Das Reich der Schlagzeuger. Leon und Florian sind das Duo „Orbis Percussion“. Sie haben gerade den Rometsch-Wettbewerb der Hochschule gewonnen. Als erstes Schlagzeug-Ensemble überhaupt. Die 8000 Euro können sie gut gebrauchen.

Im Keller: Ja, das muss hier so chaotisch aussehen. Im Unterrichtsraum der Klasse Bert Flas steht so ziemlich alles herum, was ein Schlagzeuger braucht. Da ist das Drumset noch das wenigste. Allein die großen Stabspiele, Marimba, Vibraphon, Xylophon stehen ziemlich im Weg. Auf der einen Seite häufen sich die fellbespannten Instrumente, Trommeln jeglicher Dimension, Pauken, an der Fensterseite baumeln Großfamilien von Gongs im Gegenlicht. Dazwischen Holzblöcke, Triangeln, Schlegel in Vielfalt, Lautsprecherboxen. Hier wird’s einem nicht langweilig. Leon und Florian setzen sich brav ihrem Gesprächspartner gegenüber. Ohne Maske wirken sie noch ein bisschen cooler, aber keineswegs eingebildet. Unaufgeregt. Ambitioniert. Sympathisch.


Die Klasse: Die Klasse von Prof. Bert Flas ist wahrscheinlich die kleinste der gesamten Musikhochschule. Zurzeit lernen beim Solopauker der Düsseldorfer Symphoniker ganze drei Studierende, sämtlich männlich, das Handwerk des Schlagzeugers. Das hat auch mit Corona zu tun, das einerseits die Lehrtätigkeit einschränkt, andererseits die Mobilität der Studierenden. Bis 2021 gab es noch Schlagzeuger im Master-Studium in Düsseldorf, seitdem sind drei Bachelors mit ihrem Lehrer unter sich. Was einerseits zum Lernen toll ist, zum anderen aber auch stressig. Leon und Florian nennen das „ein sehr enges Verhältnis“ in einer Klasse, deren erklärtes Ziel es ist, Schlagzeuger für den Dienst in einem Berufsorchester auszubilden. Dazu gehört neben etlichen musiktheoretischen Fächern und Klavier als Zweitinstrument der regelmäßige Umgang mit den diversen Musikstilen. Und natürlich die Standartinstrumente. Stabspiele. Kleine Trommel (Leon: „Das ist wie Mathe oder Latein.“), Pauke (Florian: „Eine unendliche Welt.“). „Wir wollen eine Stelle“, sagen beide übereinstimmend. Was nicht einfach werden dürfte. Denn Positionen selbst in der vielfältigen deutschen Berufsorchesterlandschaft sind rar und die lukrativen hart umkämpft – zum letzten Probespiel in Düsseldorf wurden aus fast 100 Bewerbern knapp 40 eingeladen. Auf eine Stelle. Die ist dann gewöhnlich einen berufslebenslange.

Orbis: Leon und Florian sind beide 20. Beide mussten sich bei der Aufnahmeprüfung für den je einzigen vergebenen Studienplatz gegen mehr als ein Dutzend Konkurrenten durchsetzen, Florian 2019, Leon 2020, da war die Aufnahmeprüfung schon vollständig digital. Beide kommen vom selben Lehrer, Veith Kloeters aus Viersen. Leon stammt aus Brüggen und wurde nach kindlichen Versuchen auf Gitarre, Cello und Klavier mit knapp zehn Jahren nach einem Probeunterricht Mitglied der Talentschmiede. Florian, in Bochum in einer Musikerfamilie sozialisiert, wechselte mit 15 nach Viersen mit dem klaren Ziel, die Aufnahmeprüfung zu schaffen. Beide kennen sich also aus diversen Schlagzeugensembles des Viersener Musikschulleiters Ralf Holtschneider, als Konkurrenten bei „Jugend musiziert“. Als Duo fanden sie erst an der RSH zusammen. In ihren Konzerten wollen sie nichts weniger als ihrem Publikum die Welt der Perkussion näherbringen, daher der Name Orbis Percussion. Und weil beide sehr fokussierte Typen sind, Jungs, die intensiv am Klang und der Perfektion arbeiten, sind ihre Konzerte auch keine Showveranstaltung. In ihre Moderationen geben sie sich ebenso viel Raum wie im Zusammenspiel. Konzentriert, so nah wie möglich an der Perfektion.


Kostprobe: Das muss jetzt spontan funktionieren. Leon und Florian rollen die beiden Marimbas zueinander und spulen etwas aus Piazzollas Tango-Suite ab. Auswendig. Rhythmisch, ziemlich perfekt durchgehört, mäßig virtuos aber mit Verve. Die beiden brauchen kaum noch Augenkontakt, sie spüren den Puls der Musik, wissen wie der Partner tickt. Beeindruckend.


Wettbewerb:
Das hat auch die Juroren des jüngsten Rometsch-Wettbewerbs überzeugt, die vor allem das erste selbstkomponierte Stück „Orbis_and Evolution“ des Duos zu schätzen wussten. „Wir wollten was mit Elektronik machen. Die Tonspur haben wir selbst elektronisch komponiert, die Live-Performance dazu betont hölzerne Klangstäbe“, sagt Leon. Natürlich ist das Preisgeld super. Wichtiger fast noch aber sind die mit dem Preis verbundenen Auftrittsmöglichkeiten. Erfahrungen sammeln. Für Studenten gutes Geld verdienen. Einen Namen machen. Sowas. Für dieses Jahr steht für beinahe jeden Monat ein Konzert an (Termine siehe unten). Das ist auch dank der Förderung der Dörken-Stiftung möglich, bei der das Duo Orbis Percussion im letzten Jahr ein Stipendium gewann. „Eine Duo-Karriere anzustreben, so schön das im Moment für uns ist, ist aber keine wirkliche Option“, sagt Florian. Er will Pauker werden.

Dieser Text von Armin Kaumanns erschien am 9.4. in der Rheinischen Post. 



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