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06.08.2017

„Wir haben die wenigsten Stellen“

Prof. Raimund Wippermann
Im Sommerinterview mit der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post (RP) appelliert Rektor Prof. Raimund Wippermann an die Stadt, die Professoren-Stelle von Dieter Falk mit zu finanzieren. Die Düsseldorfer Musikhochschule sei im Vergleich zu den anderen NRW-Hochschulen personell in einer Schieflage. Das Interview führte Uwe-Jens Ruhnau:  

RP: Zuletzt war die RSH wegen der halben Professoren-Stelle für Dieter Falk in den Schlagzeilen. Die Finanzierung sorgte für Streit zwischen Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) und der Ampel- Kooperation aus SPD, Grünen und FDP. Herr Wippermann, wieso schafft es die RSH nicht, einen angeblich so anerkannten und beliebten Professor wie Dieter Falk fest und langfristig an sich zu binden?

Wippermann: Das würden wir ja gerne, aber der Weg dahin ist nicht so einfach. Ich kann nicht mal eben Mittel umschichten, weil ich dann einen großen Unfrieden an der Hochschule riskieren würde. Bei uns herrscht eine personelle Schieflage, da will jeder Schritt gut überlegt sein. Wir müssen einen Kompromiss finden und unternehmen dafür jetzt einen neuen Anlauf.

Personelle Schieflage? Was ist los?

Wippermann: Die RSH war lange eine Dependance der Kölner Hochschule und ist erst vor 30 Jahren selbstständig geworden. Aus dieser Zeit heraus haben wir ein deutliches Defizit an Stellen. Solche Strukturen sind aber langlebig. Wir sehen allerdings deutliche Anzeichen dafür, dass man dies im Ministerium erkannt hat und uns helfen will. Beim Schnitt Professor pro Student liegen wir an letzter Stelle im Land. Wir haben 45 Professoren für 850 Studenten und fünf Lehrkräfte für besondere Aufgaben, in Köln sind es 110 Professoren für 1600 Studenten und 16 Lehrbeauftragte. Die Vergleiche mit Essen und Detmold fallen noch deutlicher aus. Die Professoren sind sehr wichtig, weil der weitaus überwiegende Teil der Lehre im künstlerischen Einzelunterricht stattfindet.

Und da kann man auf einen wie den Falk eher verzichten?

Wippermann: Darum geht es nicht. Wir sind froh, dass wir ihn haben. Er ist Professor für Popularmusik, sein Unterricht ist gut und vielseitig, die Studenten schätzen ihn sehr. Wir sind der Stadt Düsseldorf dankbar, dass sie mit der Idee der Professur auf uns zugekommen ist. Aber Sie müssen sehen, dass im Rahmen der Instrumentalausbildung für den Beruf der Musiker im Orchester – das ist eine unserer zentralen Aufgaben – einige Fächer nicht mit Professorenstellen besetzt oder aber unterrepräsentiert sind. Wir haben zum Beispiel für Fagott, Trompete und Schlagzeug nur halbe Professorenstellen und gar keine Professuren für Harfe und Tuba, die ja für die Militärmusik wichtig ist. Ein weiteres Fach, das eine Schlüsselqualifikation für das Orchesterspiel bildet, die Kammermusik, ist ebenfalls nicht durch professorale Lehre besetzt.

Wie wichtig ist die Militärmusik?

Wippermann: Die Partnerschaft mit der Bundeswehr ist neben dem Institut für Musik und Medien (IMM) eines unserer beiden Alleinstellungsmerkmale. Wenn Sie den Großen Zapfenstreich bei der Verabschiedung eines Bundespräsidenten im Fernsehen sehen, ist jeder Musiker, der dort spielt, ein Absolvent der Robert-Schumann-Musikhochschule. Kollegen aus dem Ausland beneiden Deutschland um diese Professionalisierung in der Militärmusikausbildung.

Wie soll es mit Falk weitergehen?

Wippermann: Vier Jahre hat die Stadt die Kosten für die halbe Professur komplett übernommen. Unser Vorschlag wäre nun, dass wir die Kosten teilen, und somit Stadt und Hochschule, also das Land, je 25.000 Euro übernähmen. Die Stelle müsste von der Person Falk dann gelöst und ausgeschrieben werden. Er könnte sich dann darauf bewerben.

Der Vorschlag ist den Fraktionen der Ampel-Kooperation nicht gänzlich unbekannt. Dort herrscht die Meinung vor, dass das Land die Stelle komplett finanzieren sollte, wenn es sie denn so wichtig findet.

Wippermann: Ich möchte gerne die Fraktionen im Rathaus besuchen und unsere Lage erörtern. Es ist doch so, dass beide Seiten Vorteile durch die Kooperation haben. Falk nutzt den Studenten und der Hochschule, weil er international als Produzent und Musiker arbeitet und seine Kontakte für die Studenten einbringt. Aber er bringt die Studenten auch in die Stadt, hilft bei der Organisation von Festen und vermittelt Gruppen und Ensembles. Die 25.000 Euro können doch in dem großen Haushalt der Stadt Düsseldorf nicht diese Bedeutung haben.

Es muss gespart werden. Die Politiker sehen sich im Zugzwang. Teile der Grünen haben zudem Probleme mit dem Kirchenmusiker Dieter Falk.

Wippermann: Ich kann Letzteres nicht nachvollziehen, denn meines Erachtens leisten die Kirchenmusiker durch ihre vielfältige Arbeit einen für unsere Gesellschaft sehr wichtigen Beitrag.

Was, wenn die Ampel ablehnt?

Wippermann: Das weiß ich nicht. Es wäre sehr schade. Ich freue mich, dass Spenden gesammelt werden, aber eine dauerhafte Regelung mit der Stadt wäre in meinen Augen angemessen.

Sie haben Ihre neue Amtszeit als Rektor im April für vier Jahre angetreten. Was sind Ihre großen Ziele, was braucht die RSH langfristig?

Wippermann: Neben den personellen Ressourcen geht es um räumliche Konzentration. Wir haben im Hauptgebäude an der Fischerstraße ca. 3600 Quadratmeter Nutzfläche. Der Zusatzbedarf liegt bei 9000 Quadratmetern. An der Homberger Straße haben wir ein Bürogebäude dazugemietet. Das IMM sitzt an der Georg-Glock-, die Kirchenmusiker an der Graf-Recke-Straße. Diese Verteilung auf vier Standorte in der Stadt ist nicht gut, darum soll die Hochschule an der Georg-Glock-Straße auf einem Teil des ehemaligen Geländes der Hochschule Düsseldorf einen zweiten Standort erhalten. Als Erstes soll das „Japan-Haus“ für uns umgebaut werden. Unter anderem werden dort 51 Übungsräume entstehen. Danach soll das IMM eine neue Heimstatt bekommen und am Ende schließlich die RSH ein Veranstaltungszentrum mit großem Saal.

Musik ist heute überall verfügbar, fließt aus dem Netz übers Handy in den Kopfhörer. Warum ist eine Musikhochschule so wichtig?

Wippermann: Unsere Welt dreht sich immer schneller, der Druck wächst für die meisten Menschen. Digitalisierung, Globalisierung und vor allen Dingen eine primär auf Gewinnoptimierung ausgerichtete Denkweise brauchen Gegenpole. Kultur allgemein und Musik im Speziellen hat in diesem Zusammenhang eine enorme Bedeutung, das ist eigentlich unbestritten. Nicht nur aus der Konserve Musik zu konsumieren, sondern sie selbst zu machen, kann eine wunderbare Erfahrung sein und ist für die Persönlichkeitsentwicklung ein kaum zu überschätzender Faktor.

Das Interview erschien am 7. August 2017 in der Rheinischen Post.    



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