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14.11.2017

Man muss einfach nur neue Wege gehen.

Prof. Alexander-Sergei Ramírez hat das Gitarrenfestival auf die Beine gestellt.
Die Musikwissenschaftlerin und Dozentin Elisabeth von Leliwa sprach mit Prof. Alexander-Sergei Ramírez über das Internationalen Gitarrenfestivals, das am 24. November an der Hochschule beginnt.

Wie kam es zur Idee, ein ganzes Festival rund um die Gitarre an der Robert Schumann Hochschule zu gestalten?

Wir haben hier an der Hochschule das Glück einer sehr großen und – man darf bei aller Bescheidenheit auch sagen – sehr erfolgreichen Gitarrenabteilung. Mein Kollege Joaquín Clerch und ich werden als Spieler, Lehrer oder Juror oft zu internationalen Gitarrenfestivals eingeladen und begegnen dort großartigen Kollegen, die wir gerne auch in Düsseldorf präsentieren wollen und die unseren Studenten sicherlich wichtige Anregungen geben können.

Da die Gitarre im Konzertleben längst nicht so etabliert ist wie zum Beispiel das Klavier oder die Violine, wollten wir ein Festival, auf dem man sich trifft, Ideen austauscht und eine beeindruckende Vielfalt von Stilen erleben darf.

Zum Beispiel Aniello Desiderio: Er hat eine sehr eigene Persönlichkeit und einen individuellen Gitarrenstil, den man schon nach wenigen Takten erkennt. Das Gleiche gilt für Alvaro Pierri. Das sind zwei Lichtgestalten.

Wir möchten aber auch, dass das Publikum und die Studierenden die klassische Gitarre als Kammermusikinstrument entdecken. Deshalb haben wir gleich vier Ensemblekonzerte im Programm: die klassische Besetzung mit Gitarre und Violine, zeitgenössische Flöten- und Gitarrensonaten aus Kuba und die seltene Triobesetzung mit Gitarre, Flöte und Violoncello. Ich selbst werde im Duo mit Hammerklavier spielen.

Klavier und Gitarre ist eine sehr ungewöhnliche Kombination. Wie kann man sich das überhaupt vorstellen?

Das funktioniert nur, weil wir auf historischen Nachbauten von Instrumenten der Zeit von ca. 1810 bis 1830 spielen, als Lautstärke und Klangfarben  beider Instrumente sich sehr angenähert hatten. So klingen die Originalkompositionen aus dieser Zeit für diese Besetzung eher wie von einem einzigen großen Instrument gespielt als von zwei komplett unterschiedlichen. Mit „modernen“ Instrumenten verliert dieser Effekt seine Wirkung. Historische Originalinstrumente kann man darüber hinaus im Konzert des Duo Concertino erleben. Es ist so wichtig, eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie bestimmte Werke in ihrer Zeit geklungen haben.  

Neben den klassischen Angeboten setzt auch der Flamenco einen Akzent im Programm.

Gitarre wird von vielen Menschen nach der Popmusik vor allem mit Flamenco in Verbindung gebracht. Wir haben das große Glück, dass wir zur Eröffnung des Festivals Vicente Amigo y su grupo einladen konnten. Er wird als legitimer Nachfolger von Paco de Lucia betrachtet. Bei uns in Düsseldorf spielt er sein einziges Deutschland-Konzert in diesem Jahr. In unserer „Nacht in der Alhambra“ ist ein weiterer Flamenco-Star bei uns zu Gast – Juan Manuel Cañizares, der als erster und bisher einziger Flamenco-Gitarrist mit den Berliner Philharmonikern konzertiert hat.

Flamenco spielt ja auch eine Rolle im Modulplan Ihres Bachelor- und Master-Studiengangs.

Das ist wichtig, weil wir als klassische Gitarristen viel Repertoire spielen, dessen Ursprung in der spanischen Folklore liegt. Ein zweites Standbein haben wir inzwischen auch in der für uns ebenso bedeutsamen südamerikanischen Musik. Die Kenntnis dieser Folklore-Stile ermöglicht ein freieres Spiel, ohne den Rhythmus zu verlieren. Das ist für uns klassische Musiker extrem wichtig: nicht zu kopflastig zu werden und mehr Urvertrauen in sich selbst zu finden.

Die „Nacht in der Alhambra“ ist wohl die spektakulärste Veranstaltung in Ihrem Festivalprogramm!

Das ist ein echtes Happening mit insgesamt zehn Solisten: Außer Cañizares sind auch die klassischen Stars Marco Tamayo und Ricardo Gallén (beide ehemalige Schüler von Joaquín Clerch) und andere fantastische Spieler mit dabei. Herausheben möchte ich auch Andrea González Caballero als Solistin in Rodrigos Fantasia para un gentilhombre. Sie absolviert bei uns ihr Konzertexamen und hat bereits viele internationale Preise erhalten. Außerdem stehen noch zwei Kompositionen für vier Gitarren und Orchester auf dem Programm – Rodrigos bekanntes Concierto Andalúz und Joaquín Clerchs eigene Komposition Fantasía en los jardines de Falla – sowie Cañizares’ Konzert für Flamencogitarre und Palmas, die typischen Flamenco-Handklatscher! Wo kann man so etwas schon hören?

Wie binden Sie Ihre Studierenden in das Konzertprogramm ein?

In vielfältiger Form! Und bei all den tollen jungen Gitarristen der Hochschule muss man sagen: wer die Wahl hat, hat die Qual! Bachelor-Studierende, die schon auf Wettbewerben erfolgreich waren, präsentieren sich als „Meister von Morgen“. Wichtig sind uns auch die drei Konzerte mit ehemaligen Studierenden, die erfolgreich ihre eigenen Wege gehen. Wir Lehrer sind selbst gespannt, wie sich diese Musiker inzwischen entwickelt haben! Zwei originelle Initiativen unserer Studierenden stellen wir im Nachmittagskonzert „Saitenspiele“ vor. Von besonderer Bedeutung sind selbstverständlich auch die begleitenden Meisterklassen. Viva la Guitarra! soll wirklich eine Fiesta, ein gemeinsames Erlebnis werden.

Wirkt das Festival auch in die Stadt hinein?

Ja, schon in der Wahl der Konzertorte. Neben dem Partika Saal finden auch Konzerte im Robert Schumann Saal sowie im Palais Wittgenstein statt.

Sehr wichtig ist uns die Kooperation mit der Clara Schumann Musikschule Düsseldorf, denn die Jugend ist ja schließlich unsere Zukunft. Wir Lehrkräfte kennen uns untereinander sehr gut und arbeiten oft zusammen. Das Niveau der hiesigen Musikschule ist ausgezeichnet, sodass man auch wunderbar miteinander musizieren kann.

Als Besonderheit wird das IMM (Institut für Medien und Musik) viele der Konzerte und Meisterklassen livestreamen. Dadurch erhalten wir eine noch größere Reichweite! 

Manche Leute sagen, dass das klassische Konzertpublikum ergraut, immer älter wird und irgendwann ausstirbt. Das glaube ich nicht. Ich denke, man muss einfach nur neue Wege gehen. Es gibt genug hervorragende Spieler und genug hervorragende Stücke. Die Zuhörer freuen immer sich über Neues, Ungewohntes.

Gerade in Festivals darf man wagemutig sein!                                                       



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